Er gönnt ihm nicht das Schwarze unter den Fingernägeln
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
Er gönnt ihm nicht das Schwarze unter den Fingernägeln
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die Herkunft dieses bildhaften Ausdrucks ist nicht exakt belegbar und lässt sich nicht auf ein bestimmtes historisches Ereignis oder eine literarische Quelle zurückführen. Es handelt sich um eine sehr alte, volkstümliche Redewendung, die in den deutschen Sprachschatz eingegangen ist. Aufgrund der bildlichen Kraft der Aussage wird sie oft der Kategorie der sogenannten "geflügelten Worte" zugerechnet, deren Ursprung im Dunkeln liegt, deren Bedeutung aber intuitiv verstanden wird. Dieser Punkt wird daher aus Gründen der geforderten absoluten Sicherheit weggelassen.
Bedeutungsanalyse
Das Sprichwort "Er gönnt ihm nicht das Schwarze unter den Fingernägeln" ist eine besonders drastische und abschätzige Formulierung für extremen Geiz, Missgunst oder Neid. Wörtlich genommen beschreibt es eine Person, die einem anderen nicht einmal den winzigen Schmutz unter den Nägeln zugestehen möchte – etwas, das völlig wertlos und unbrauchbar ist. In der übertragenen Bedeutung steckt die Aussage, dass der Betreffende so knauserig oder so voller Abneigung ist, dass er dem anderen nicht das Geringste, nicht einmal den kleinsten und bedeutungslosesten Vorteil, Besitz oder Erfolg vergönnt.
Die dahinterstehende Lebensregel warnt vor einer solchen Charaktereigenschaft und brandmarkt sie als besonders verachtenswert. Ein typisches Missverständnis könnte in einer zu wörtlichen Interpretation liegen, die das Bild mit tatsächlicher Hygiene verwechselt. Es geht jedoch niemals um reale Finger oder Nägel, sondern ausschließlich um die Metapher für etwas absolut Wertloses.
Relevanz heute
Dieses Sprichwort ist auch in der modernen Sprache durchaus noch lebendig, wenn auch nicht mehr im alltäglichen Smalltalk. Seine Verwendung findet vor allem in zwei Kontexten statt: Zum einen dient es als kraftvolles Stilmittel in der gesprochenen Sprache, um jemandes Habgier oder Neid auf pointierte und anschauliche Weise zu kritisieren. Zum anderen wird es nach wie vor in journalistischen Kommentaren, Kolumnen oder in der Literatur eingesetzt, um eine Situation oder eine Haltung besonders plastisch und verurteilend zu beschreiben. Die Brücke zur Gegenwart schlägt das Sprichwort mühelos, da Missgunst und extremer Geiz zeitlose menschliche Schwächen sind, die in Wirtschaft, Politik oder sogar im privaten Umfeld immer wieder beobachtet werden können.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Ein Sprichwort wie dieses erhebt keinen faktischen, sondern einen moralischen und charakterlichen Anspruch. Es beschreibt eine menschliche Eigenschaft, die sich einer rein naturwissenschaftlichen Überprüfung entzieht. Allerdings bestätigen psychologische und soziologische Forschungen zu Neid, Geiz und sozialem Vergleich durchaus, dass es Menschen gibt, die den Erfolg anderer kaum ertragen können und ihnen sogar kleine Vorteile missgönnen. In diesem Sinne kann die bildhafte Kernaussage der Redewendung als psychologisch treffende Beschreibung einer destruktiven Haltung angesehen werden. Die Wissenschaft würde die Existenz solcher Verhaltensmuster bestätigen, auch wenn sie sie nicht mit Fingernägeln messen kann.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Dieses Sprichwort ist aufgrund seiner Derbheit und starken Verurteilung sehr kontextsensibel zu verwenden. Es eignet sich ausgezeichnet für eine lockere, aber deutliche Kritik unter Freunden oder in informellen Gesprächen, wo man eine übertreibende, humorvolle oder entlarvende Note setzen möchte. In einer formellen Rede, einer Trauerrede oder einem diplomatischen Gespräch wäre es dagegen völlig unangemessen, zu salopp und zu hart.
Besonders gut passt es, wenn man eine Situation beschreibt, in der jemand aus Prinzip blockiert oder nicht teilen will.
Beispiel in natürlicher, heutiger Sprache:
"Unser Projektleiter hat die Budgetfreigabe für die Kaffeekasse wieder verweigert. Der gönnt uns ja nicht mal das Schwarze unter den Fingernägeln, geschweige denn einen neuen Kaffeevollautomaten."
Oder in einer politischen Kommentierung: "Die Debatte zeigte einmal mehr, dass die Oppositionspartei der Regierung nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt, selbst bei längst überfälligen Reformen."
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