Ein Advokat und ein Wagenrad wollen geschmiert sein
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
Ein Advokat und ein Wagenrad wollen geschmiert sein
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die Herkunft dieses markanten Sprichworts ist nicht zweifelsfrei belegbar. Es handelt sich um ein traditionelles deutsches Sprichwort, das vermutlich aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammt. Der Kontext ist die bäuerlich-handwerkliche Lebenswelt, in der das regelmäßige Schmieren von Wagenrädern eine essentielle, alltägliche Notwendigkeit war, um Quietschen zu verhindern und die Funktion zu erhalten. Die geniale wie spöttische Gleichsetzung mit dem Berufsstand der Advokaten (Rechtsanwälte) spiegelt ein verbreitetes Misstrauen gegenüber dieser Berufsgruppe wider. Die Annahme, dass Anwälte stets auf eine "Schmierung" in Form von Gebühren bedacht seien, um in Bewegung zu bleiben, prägte diese volkstümliche Weisheit.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich vergleicht der Spruch zwei Dinge, die Öl benötigen: ein mechanisches Bauteil und einen Juristen. Die übertragene Bedeutung ist eine kritische Lebensbeobachtung. Sie besagt, dass ein Rechtsanwalt ebenso regelmäßig bezahlt werden muss wie ein Wagenrad geschmiert werden muss, um seine Arbeit zu verrichten. Ohne diese "Schmierung" kommt beides zum Stillstand. Die dahinterstehende, oft zynisch gemeinte Lebensregel warnt davor, die Kosten und die materielle Motivation in geschäftlichen oder rechtlichen Angelegenheiten zu unterschätzen. Ein typisches Missverständnis wäre, das Sprichwort ausschließlich als pauschale Verunglimpfung aller Juristen zu lesen. Es ist vielmehr ein Sinnbild für das Prinzip der Gegenleistung in einem spezifischen Berufsstand, das auf humorvolle Weise allgemeine Geschäftstüchtigkeit thematisiert.
Relevanz heute
Das Sprichwort ist heute noch durchaus bekannt und relevant, auch wenn der Begriff "Advokat" seltener verwendet wird. Es lebt vor allem in einem scherzhaft-ironischen Kontext weiter. Menschen nutzen es, um auf die hohen Kosten von Rechtsberatung anzuspielen oder um im weiteren Sinne auszudrücken, dass für bestimmte Dienstleistungen eben bezahlt werden muss. Die Brücke zur Gegenwart ist einfach geschlagen: Moderne Dienstleister, Berater oder Experten "wollen geschmiert sein", also honoriert werden. Der Spruch dient als lakonischer Kommentar zur Marktlogik. Allerdings ist seine Verwendung aufgrund des veralteten Vokabulars ("Advokat", "Wagenrad") oft mit einem Augenzwinkern verbunden und signalisiert, dass man eine alte Volksweisheit zitiert.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Einen wissenschaftlichen Check im engeren Sinne gibt es für dieses Sprichwort nicht, da es eine gesellschaftliche Beobachtung und keine naturwissenschaftliche Aussage ist. Sein Wahrheitsgehalt wird durch die ökonomische Theorie bestätigt: Dienstleistungen, insbesondere hochspezialisierte wie juristische Beratung, haben ihren Preis und werden in der Regel nur gegen Entgelt erbracht. Das Sprichwort verallgemeinert jedoch stark und unterstellt eine gewisse Gier oder einen ständigen Zahlungsbedarf, der so pauschal nicht haltbar ist. Moderne Berufsethiken und Honorarordnungen widersprechen einer solchen pauschalen Charakterisierung. In seiner Kernaussage – "Professionelle Arbeit verdient angemessene Bezahlung" – ist es jedoch trivial und universell gültig.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Dieses Sprichwort eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Erwachsenen, in denen man über Kosten oder Verträge spricht. Es passt in einen humorvollen Vortrag über Alltagsökonomie oder in eine anekdotenhafte Rede. Aufgrund seines leicht spöttischen Untertons ist es für formelle Anlässe wie eine Trauerrede oder ernste Verhandlungen völlig ungeeignet. Es könnte dort als respektlos oder salopp empfunden werden. Verwenden Sie es also stets mit einem Lächeln auf den Lippen.
Ein gelungenes Beispiel in natürlicher, heutiger Sprache wäre: "Ich habe gerade die Rechnung meines Steuerberaters gesehen. Na ja, ein Anwalt und ein Wagenrad wollen halt geschmiert sein. Aber die Arbeit war es wert." Ein weiteres Beispiel in einem anderen Kontext: "Unser Consultant hat schon wieder sein Honorar angehoben. Ich sollte nicht überrascht sein – nach dem alten Motto: Ein Advokat und ein Wagenrad... Sie wissen schon."
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