Komme, was kommen mag; die Stund' und Zeit durchläuft den …
Kategorie: Zitate zum Thema Zeit
Komme, was kommen mag; die Stund' und Zeit durchläuft den rauhsten Tag.
Autor: unbekannt
Herkunft
Das Zitat "Komme, was kommen mag; die Stund' und Zeit durchläuft den rauhsten Tag" stammt aus William Shakespeares berühmtem Trauerspiel Macbeth. Es findet sich im ersten Aufzug, dritte Szene, und wird von der Titelfigur Macbeth selbst gesprochen. Der Anlass ist ein entscheidender Wendepunkt: Macbeth und Banquo sind soeben von den drei Hexen getroffen worden, die Macbeth zum zukünftigen König von Schottland prophezeien. Während Banquo die düsteren Vorhersagen misstraut, beginnt in Macbeth der Ehrgeiz zu keimen. Diesen Satz sagt er, nachdem ihm mitgeteilt wurde, der König habe ihm tatsächlich den Titel "Thane of Cawdor" verliehen, was die erste Prophezeiung erfüllt. Der Kontext ist also ein Moment des inneren Umbruchs, in dem sich Macbeth zwischen Loyalität und verbrecherischem Verlangen befindet.
Biografischer Kontext
William Shakespeare (1564-1616) ist nicht einfach ein historischer Dramatiker, sondern der wohl einflussreichste Architekt der modernen menschlichen Psyche in der Literatur. Seine Relevanz liegt darin, dass er fundamentale menschliche Zustände – Machtgier, Liebe, Eifersucht, Zweifel, Existenzangst – in eine Sprache goss, die bis heute unübertroffen in ihrer Präzision und Bildkraft ist. Shakespeare dachte in Extremen und psychologischen Abgründen, lange bevor es die Psychologie als Wissenschaft gab. Seine Weltsicht ist besonders, weil sie keine einfachen Antworten gibt. In Stücken wie "Macbeth" zeigt er, wie Charaktere durch ihre eigenen Entscheidungen in den Abgrund stürzen, und stellt damit zeitlose Fragen nach Schuld, freiem Willen und dem Wesen des Bösen. Was bis heute gilt, ist sein tiefes Verständnis für die Ambivalenz des Menschen, das seine Werke immer wieder neu interpretierbar macht.
Bedeutungsanalyse
Mit diesem Ausspruch versucht Macbeth, sich selbst zu beruhigen und eine scheinbar fatalistische Haltung einzunehmen. Er sagt im Grunde: "Was auch immer geschehen wird, die Zeit wird voranschreiten und selbst den schlimmsten Tag zu Ende führen." Es ist ein Stoizismus auf Abruf. Macbeth suggeriert, dass er das Kommende einfach abwarten und sich vom Lauf der Zeit tragen lassen wird. Dies ist jedoch eine Selbsttäuschung. Das Zitat offenbart weniger echte Gelassenheit als vielmehr den Versuch, seine bereits wachsende, ungeduldige Ambition zu verbergen. Ein bekanntes Missverständnis wäre, in dem Satz reinen Trost oder Weisheit zu sehen. In Wahrheit ist es der Ausdruck einer passiv-aggressiven Haltung in einem Moment, in dem die Entscheidung für den Königsmord bereits in ihm reift. Die "Stund' und Zeit" wird er bald selbst blutig beschleunigen.
Relevanz heute
Die Aussage ist heute so relevant wie vor vierhundert Jahren, auch wenn der ursprüngliche dramatische Kontext oft in den Hintergrund tritt. Sie wird verwendet, um Durchhaltevermögen und Geduld in schwierigen Phasen auszudrücken. In einer Welt, die von Ungewissheit, persönlichen Krisen oder globalen Herausforderungen geprägt ist, bietet das Zitat eine einfache, aber kraftvolle Botschaft: Selbst die dunkelste Phase hat ein Ende, denn die Zeit wartet nicht. Sie schreitet unaufhaltsam voran. Diese Brücke zur Gegenwart schlägt sich in der Alltagssprache und der Selbsthilfeliteratur nieder, wo die Idee, dass "dies auch vorübergeht", ein zentraler Trost ist. Es erinnert an die nicht aufhaltbare Macht der Zeit als Heilerin und Veränderin.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich hervorragend für Situationen, die Geduld und langfristige Perspektive erfordern. Seine praktische Anwendung ist vielfältig:
- Motivation in Krisen: Für eine Rede oder eine Nachricht an jemanden, der eine schwere Zeit durchmacht (beruflich oder privat), um Hoffnung zu spenden und daran zu erinnern, dass kein Zustand von Dauer ist.
- Projektmanagement und Teamführung: In einer Präsentation während einer stressigen, langwierigen Projektphase kann das Zitat das Team ermutigen, durchzuhalten, da auch die anstrengendste Arbeitsphase ein definiertes Ende hat.
- Persönliche Reflexion: Als Mantra in Tagebüchern oder Planern, um sich selbst zu grounden, wenn man sich von kurzfristigen Rückschlägen überwältigt fühlt.
- Trauerbewältigung: Vorsichtig eingesetzt, kann es in einer Trauerrede Trost spenden, indem es die nicht aufhaltbare Weiterreise der Zeit und die langsame Heilung betont, die sie mit sich bringt. Es sollte jedoch nicht die Tiefe des Verlustes bagatellisieren.
- Geburtstags- oder Neujahrskarten: Als philosophischer Blick auf das Vergangene und Kommende, um zu zeigen, dass man alle Höhen und Tiefen des vergangenen Jahres wertschätzt und dem neuen mit Gelassenheit entgegensieht.