Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Nichts und dem Schmerz, …
Kategorie: Traurige Zitate
Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Nichts und dem Schmerz, dann wähle ich den Schmerz.
Autor: William Faulkner
Herkunft
Dieses kraftvolle Zitat stammt aus einem Interview, das William Faulkner 1956 mit dem Writers at Work-Programm der Paris Review führte. Der Anlass war ein tiefgehendes Gespräch über die Motivation zum Schreiben, die Rolle des Künstlers und die menschliche Existenz. Der vollständige Kontext ist entscheidend für das Verständnis. Faulkner sprach über die Unausweichlichkeit des Leidens im Leben und die besondere Verantwortung des Schriftstellers. Er sagte: "Ich bin der Meinung, dass der Mensch nicht nur bestehen wird, sondern dass er siegen wird. Er ist unsterblich, nicht weil er als einzige Kreatur eine unerschöpfliche Stimme hat, sondern weil er eine Seele hat, einen Geist, der mitfühlend, opferbereit und ausdauernd ist. Die Pflicht des Dichters und Schriftstellers ist es, dies zu schreiben. (...) Der Dichter und Schriftsteller möchte dem Menschen helfen, länger zu bestehen, indem er sein Herz erhebt, indem er ihn an Mut, Ehre, Hoffnung, Stolz, Mitleid, Mitgefühl und Opferbereitschaft erinnert, die der Ruhm seiner Vergangenheit sind. Die Stimme des Dichters muss nicht nur ein Archiv der menschlichen Erfahrung sein, sondern auch ein Stützpfeiler, der ihm hilft, zu bestehen und zu siegen." Direkt im Anschluss daran folgt der berühmte Satz: "Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Nichts und dem Schmerz, dann wähle ich den Schmerz."
Biografischer Kontext
William Faulkner (1897-1962) war mehr als nur ein Nobelpreisträger für Literatur. Er war ein Chronist der menschlichen Seele, der die Tiefen und Abgründe des amerikanischen Südens mit einer bis dahin ungekannten psychologischen Schärfe auslotete. Was ihn für heutige Leser so faszinierend macht, ist sein kompromissloser Blick auf die conditio humana. Faulkner glaubte unerschütterlich an die Widerstandsfähigkeit des Menschen, selbst angesichts von historischer Last, persönlichem Versagen und unausweichlichem Leiden. Seine Weltsicht ist keine naive Hoffnungsgläubigkeit, sondern eine tief verwurzelte Überzeugung, dass Würde und Bedeutung erst im Ringen mit dem Schmerz entstehen. Seine Figuren – gebrochen, stolz und oft tragisch – kämpfen gegen ihre Vergangenheit und ihre Umstände an, und genau in diesem Kampf liegt für Faulkner ihre Größe. Sein Werk ist eine lebenslange Untersuchung der Frage, wie man in einer komplexen, oft grausamen Welt moralisch integer und menschlich bleibt. Diese Suche nach Sinn trotz aller Widrigkeiten macht sein Denken zeitlos relevant.
Bedeutungsanalyse
Faulkners Aussage ist eine fundamentale Absage an die Gleichgültigkeit und die geistige Leere. "Das Nichts" steht hier für eine Existenz ohne Tiefe, ohne Engagement, ohne Leidenschaft und letztlich ohne Bedeutung. Es ist der Zustand des bloßen Dahinvegetierens, des Vermeidens von Konflikten und emotionalen Risiken. "Der Schmerz" hingegen symbolisiert die volle Teilhabe am Leben mit all seinen Konsequenzen: Liebe bringt Verlustangst mit sich, Engagement birgt das Risiko des Scheiterns, und Bewusstsein führt zur Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten. Faulkner argumentiert, dass ein Leben, das Schmerz vermeidet, um den Preis der Gefühllosigkeit, im Kern wertlos ist. Der Schmerz ist für ihn kein Selbstzweck, sondern das untrennbare Nebenprodukt von allem, was dem Leben Wert verleiht – Mitgefühl, Hingabe, Schöpfung und Leidenschaft. Ein häufiges Missverständnis ist, das Zitat als Verherrlichung von Leiden oder Masochismus zu lesen. Es geht jedoch nicht um die Suche nach Qual, sondern um die mutige Entscheidung für ein authentisches, engagiertes Dasein, selbst wenn man weiß, dass dies Verletzlichkeit und Leid mit sich bringt.
Relevanz heute
In einer Zeit, die oft von der Suche nach mühelosem Glück, Comfort-Zonen und der Vermeidung von Unbehagen geprägt ist, wirkt Faulkners Wahl wie ein radikaler Gegenentwurf. Seine Worte haben nichts an Kraft verloren. Sie finden Widerhall in der Psychologie, wo die Bedeutung von Vulnerabilität und Resilienz betont wird. Sie sind relevant in Diskussionen über Kreativität, denn künstlerischer oder innovativer Prozess ist immer auch ein Ringen und Scheitern. In der persönlichen Entwicklung wird die Botschaft verstanden: Wachstum geschieht selten in der Komfortzone, sondern meist durch die Bewältigung von Herausforderungen. Das Zitat wird heute zitiert, um Mut zu machen, schwierige aber notwendige Entscheidungen zu treffen – sei es das Beenden einer ungesunden Beziehung, der Start eines riskanten Projekts oder das Einstehen für eine Überzeugung. Es erinnert daran, dass ein bedeutungsvolles Leben aktiv gewählt werden muss und dass diese Wahl oft mit Unbequemlichkeit verbunden ist.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich für Situationen, in denen es um fundamentale Lebensentscheidungen und die Haltung gegenüber Schwierigkeiten geht.
- Motivationsvorträge oder Coachings: Hier kann es als kraftvolle Eröffnung oder Schlussfolgerung dienen, um zu illustrieren, warum wir uns Herausforderungen stellen sollten, anstatt in Passivität zu verharren. Es unterstreicht, dass der Weg zum Erfolg oft unbequem ist.
- Persönliche Reflexion oder Tagebücher: Für Menschen in Lebenskrisen oder an Scheidewegen kann der Satz ein Leitgedanke sein, der ihnen hilft, sich bewusst für den aktiven, wenn auch schmerzhaften Weg der Bewältigung zu entscheiden, statt in Lethargie zu verfallen.
- Kondolenz oder Trauerbegleitung (mit Fingerspitzengefühl): In diesem sehr sensiblen Kontext kann das Zitat – niemals plump, sondern einfühlsam eingebettet – eine tiefe Wahrheit ausdrücken: Dass die Trauer und der Schmerz über einen Verlust auch ein Zeugnis der Tiefe der verlorenen Liebe sind. Die Alternative, nicht zu trauern, wäre das "Nichts" der Gefühllosigkeit. Es würdigt so den Schmerz als Teil der menschlichen Erfahrung.
- Künstlerische oder kreative Projekte: Als Motto oder Inspiration für Schaffende, die wissen, dass echtes, bedeutungsvolles Werk nicht ohne intellektuelles Ringen und emotionale Investition entsteht.
Wichtig ist bei der Verwendung stets der respektvolle Kontext. Das Zitat sollte niemals dazu dienen, das Leid anderer zu bagatellisieren, sondern um die eigene oder kollektive Entscheidung für Mut und Tiefe zu bekräftigen.
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