Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die …

Kategorie: Traurige Zitate

Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

Autor: Georg Neumark

Herkunft des Zitats

Dieser weise Spruch stammt aus der Feder des deutschen Dichters und Komponisten Georg Neumark. Er findet sich in seinem berühmtesten Werk, dem Kirchenlied "Wer nur den lieben Gott lässt walten", das im Jahr 1657 veröffentlicht wurde. Das Zitat ist der fünften Strophe dieses Liedes entnommen, das zu den bedeutendsten und tröstlichsten Gesängen des evangelischen Kirchengesangbuchs zählt. Neumark schrieb dieses Lied nach einer persönlichen Erfahrung großer Erleichterung: Nach einer Phase der Armut und des Umherreisens auf der Suche nach einer Anstellung fand er endlich eine sichere Stelle als Hofsekretär in Weimar. Aus dieser dankbaren und erlösten Stimmung heraus entstand das gesamte Lied als Ausdruck tiefer Gottvertrauheit in allen Lebenslagen.

Biografischer Kontext zu Georg Neumark

Georg Neumark (1621–1681) war ein Dichter des Barock, der heute vor allem durch sein einziges, aber umso wirkmächtigeres Lied bekannt ist. Sein Leben war geprägt von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, einer Zeit voller Unsicherheit, Gewalt und persönlicher Schicksalsschläge. Neumark erlebte diese Not am eigenen Leib, verlor sein Hab und Gut durch Raub und musste sich mühsam durchschlagen. Was ihn für uns heute so interessant macht, ist seine Antwort auf diese widrigen Umstände. Statt in Verzweiflung zu verfallen, entwickelte und formulierte er eine Haltung des aktiven Gottvertrauens und der inneren Gelassenheit. Seine Weltsicht ist keine naive Verharmlosung von Leid, sondern ein praktischer Ratschlag, wie man durch die richtige innere Einstellung verhindert, dass sich das Leid noch weiter vergrößert. In einer Zeit, die von vielen als sinnlos und chaotisch empfunden wurde, fand er einen haltgebenden Anker. Diese Suche nach innerem Frieden in einer unruhigen Welt macht seine Botschaft zeitlos.

Bedeutungsanalyse des Zitats

"Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit" ist eine klare und psychologisch scharfsinnige Aussage. Neumark sagt damit nicht, dass Leid oder schwere Lebensumstände ("unser Kreuz") nicht real oder schmerzhaft seien. Er bestreitet die Existenz von Problemen also nicht. Sein zentraler Punkt ist vielmehr, dass unsere Reaktion auf das Unglück dessen Wirkung oft noch verstärkt. Die "Traurigkeit" steht hier metaphorisch für eine passive, resignative und sich selbst verstärkende Verzweiflung. Wenn wir uns in unserem Schmerz verlieren, ihn ständig betrachten und in Hoffnungslosigkeit versinken, dann lastet das Gewicht der Situation am Ende noch schwerer auf uns. Das eigentliche Leid wird durch die zusätzliche Bürde der negativen Gedanken vergrößert. Neumark plädiert indirekt für eine Haltung, die das Leid annimmt, ohne sich davon vereinnahmen zu lassen – eine Unterscheidung, die auch modernen therapeutischen Ansätzen entspricht.

Relevanz des Zitats heute

Die Aktualität dieses fast 400 Jahre alten Verses ist frappierend. In einer Gesellschaft, die hohen Wert auf Leistung, Kontrolle und stetiges Glück legt, trifft der Spruch einen neuralgischen Punkt. Wir kennen alle das Phänomen, sich in Sorgen oder negativen Gedankenspiralen zu verlieren, was Stress, Ängste und sogar Depressionen verstärken kann. Neumarks Zitat findet heute Resonanz in verschiedenen Bereichen: In der positiven Psychologie geht es um die Kraft der Interpretation und der Fokussierung. Achtsamkeitslehren raten dazu, Gedanken und Gefühle zu beobachten, ohne sich mit ihnen zu identifizieren, um so Leidensschleifen zu unterbrechen. Selbst in der populären Kultur schwingt diese Idee mit, wenn etwa dazu geraten wird, "nicht auch noch das Zweite zu denken" oder sich nicht "in etwas hineinzusteigern". Es ist ein frühes Plädoyer für emotionale Resilienz.

Praktische Verwendbarkeit und Anwendungsbeispiele

Dieses Zitat eignet sich hervorragend für Situationen, in denen es um Trost, Ermutigung und eine Perspektivänderung geht. Seine bildhafte, aber klare Sprache macht es vielseitig einsetzbar.

  • Trauerbegleitung und Kondolenz: In einer Trauerkarte oder -rede kann das Zitat einfühlsam darauf hinweisen, dass es in Ordnung ist, den Schmerz zuzulassen, aber dass die verstorbene Person wohl nicht möchte, dass die Trauer die Hinterbliebenen vollständig lähmt. Es ermutigt, nach vorne zu schauen.
  • Motivation und Resilienztraining: In Coachings, Workshops oder persönlichen Gesprächen, in denen es um die Bewältigung von Rückschlägen geht, dient der Satz als griffige Merkregel. Er hilft, den Mechanismus zu erkennen, wie wir uns oft selbst blockieren.
  • Persönliche Reflexion und Tagebuch: Für Sie selbst kann das Zitat ein Leitgedanke sein, wenn Sie in einer schwierigen Phase stecken. Es erinnert Sie daran, aktiv gegen das passive Erdulden und Grübeln anzugehen, vielleicht durch Ablenkung, Gespräche oder kleine positive Handlungen.
  • Religiöse und seelsorgerliche Ansprachen: Im kirchlichen Kontext bleibt es natürlich eine zentrale Aussage. Es kann predigthaft ausgelegt werden, um den Unterschied zwischen dem unvermeidbaren Kreuz und der vermeidbaren, zusätzlichen Last der Verzweiflung zu erklären.

Wichtig ist bei der Verwendung stets ein Ton des Mitgefühls. Das Zitat sollte niemals als Vorwurf ("Stell dich nicht so an") missverstanden werden, sondern als ein Angebot, die eigene Kraft wiederzuentdecken.

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