Zitate von Heinrich Heine

Wer war Heinrich Heine?

Christian Johann Heinrich Heine wurde am 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf geboren und starb am 17. Februar 1856 in Paris. Er war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts. Sein genaues Geburtsdatum ist dabei bis heute nicht mit letzter Sicherheit belegt. Manche Indizien sprechen für den 31. Januar 1798, der 13. Dezember 1797, der bis heute als mutmaßlicher Geburtstag gilt, ist eine wenig gegründete Hypothese seiner älteren Biographen. Heine selbst hat die Unklarheit mit dem ihm eigenen Witz kommentiert und sich gelegentlich scherzhaft als „ersten Mann des Jahrhunderts" bezeichnet, weil er in der Neujahrsnacht 1800 geboren worden sei. Sogar sein Geburtstag ließ sich nicht festnageln.

Heine gilt als einer der letzten Vertreter und zugleich als Überwinder der Romantik, machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte, elegante Leichtigkeit. Was diese literaturgeschichtliche Einordnung nicht sagt: Heine war auch der witzigste und giftigste Polemiker seiner Zeit, ein Mann, den Freunde liebten und Feinde fürchteten, ein Jude, der sich taufen ließ, um Karriere zu machen, es eine Torheit nannte und es trotzdem nie bereute. Er war aus Prinzip nicht einzuordnen, und das war kein Versehen.

Napoleon, der Code Civil und ein Erwachen mit 13 Jahren

Der Dichter erlebte 1811, also im Alter von 13 Jahren, den Einzug Napoleons I. in Düsseldorf mit. Dieses Erlebnis verarbeitete er später sehr eindrücklich in seinem Werk Ideen. Das Buch Le Grand. Was diesen Moment so prägend macht, ist sein Hintergrund: Düsseldorf stand seit Jahren unter französischem Einfluss, und für die jüdische Familie Heine bedeutete das konkret etwas. Er bewunderte Napoleon, da dieser den Code civil einführte, der für eine Gleichstellung der Juden sowie Nicht-Juden vor dem Gesetz sorgen sollte.

Ein dreizehnjähriger Junge, der in einem Land aufwächst, in dem er vor dem Gesetz weniger wert ist als seine christlichen Mitbürger, sieht einen Mann auf einem Pferd einreiten, der diese Ungleichheit mit einem Federstrich abgeschafft hat. Was das auslöst, lässt sich nicht vollständig in Worte fassen. Heine hat es trotzdem versucht, immer wieder, in verschiedenen Texten, über Jahrzehnte hinweg. Napoleon war für ihn nicht der Kriegsherr. Er war der Mann, der Gesetze schrieb. Und dieser frühe Glaube, dass das Recht mehr verändern kann als jede Armee, zieht sich durch Heines gesamtes politisches Denken.

Bankrott, Jura und eine Taufe aus Kalkül

Heinrich erlernte bei seinem Onkel den Beruf des Bankkaufmannes und erhielt 1818 die finanziellen Mittel für ein eigenes Geschäft. Da es ihm jedoch an jeglicher Eignung, Befähigung und Neigung für kaufmännische Angelegenheiten mangelte, endete diese Phase seines Lebens mit einer Pleite. Er ging bereits 1819 mit seiner Unternehmung Harry Heine & Co in den Konkurs. Dieser Bankrott war in seiner Konsequenz vielleicht das Beste, was ihm passieren konnte. Er befreite ihn von einer Zukunft, für die er denkbar ungeeignet war, und schickte ihn zurück zu dem, was er wirklich wollte: schreiben.

Was folgte, war ein Jurastudium, das er eher neben sich hertrug als ernsthaft betrieb. Er hörte Philosophie, Philologie, Geschichte, besuchte literarische Salons in Berlin, traf Hegel, Humboldt und Bettina von Arnim, und schrieb nebenbei Gedichte. Dann, kurz vor dem Abschluss, ließ er sich taufen. Er tat das aber nur, weil er hoffte, als Christ eher eine Anstellung beim Staat zu bekommen, als wenn er Jude wäre. Die erhoffte Stelle bekam er trotzdem nicht. Und Heine nannte die Taufe später eine große Dummheit seines Lebens, aber eine Dummheit, die er in vollem Bewusstsein begangen hatte. Diese Offenheit über die eigenen Irrtümer ist typisch für ihn: Er hat sich nie etwas vorgemacht, und er hat anderen nie erlaubt, ihm etwas vorzumachen.

Ein subversiver Satz in Hegels Vorlesung

Heine wechselte an die Berliner Universität, wo er von 1821 bis 1823 studierte und u. a. Vorlesungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel hörte. Dessen Philosophie prägte das Geschichtsverständnis und die Kunsttheorie Heines. Aber Heine war kein Schüler, der nickte und notierte. Er dachte mit, er widersprach innerlich, und er verstand Hegel auf seine eigene, subversive Weise.

Eine Anekdote, die er selbst überlieferte, ist in ihrer Knappheit bezeichnend: Als er einst unmütig war über das Wort „Alles, was ist, ist vernünftig", lächelte Hegel sonderbar und bemerkte: „Es könnte auch heißen: Alles, was vernünftig ist, muss sein." Er sah sich hastig um, beruhigte sich aber bald, denn nur Heinrich Beer hatte das Wort gehört. In diesem kleinen Moment steckt das ganze Programm: Ein Satz, der konservative Legitimation klingt, wird unter der Hand in eine revolutionäre Forderung verwandelt. Was vernünftig ist, muss sein. Was unvernünftig ist, muss verschwinden. Für ein Preußen der Restaurationszeit war das Dynamit, und Hegel wusste es. Dass Heine es verstand und aufschrieb, zeigt, dass er der aufmerksamste Schüler im Saal war.

Das Buch der Lieder und eine unglückliche Liebe als Literaturgeschichte

Heines bekannteste frühe Gedichte entstanden aus einer unglücklichen Liebe, die so literarisch produktiv war, wie sie menschlich schmerzhaft war. Er verliebte sich in seine Cousine Amalie Heine, die Tochter seines reichen Hamburger Onkels Salomon, und wurde abgewiesen. Amalie heiratete einen anderen. Heine schrieb darüber, und aus diesem Schreiben entstand das „Buch der Lieder", das 1827 erschien und zu Heines Lebzeiten bereits dreizehn Auflagen erreichte.

Was die Nachwelt aus diesem Buch gemacht hat, ist zugleich Heines größter Ruhm und sein vielleicht größtes Missverständnis. Die Gedichte wurden so oft vertont, so oft ins Sentimentale gezogen, so oft als bloße Liebeslyrik gelesen, dass der Stachel, der in ihnen steckt, dabei leicht übersehen wird. Heine selbst wurde diese Vereinnahmung zunehmend lästig. Er wollte kein Lyriker der zarten Gefühle sein. Er wollte ein Denker sein, ein Kämpfer, ein Unbequemer. Dass er beides gleichzeitig war und beides gleichzeitig so gut, hat ihm Bewunderung und Misstrauen gleichermaßen eingebracht. „Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben" , schrieb Friedrich Nietzsche, und Nietzsche meinte das nicht als Lob für zartes Empfinden.

Paris: Freiheit, Ruhm und ein Exil ohne Rückkehr

Wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Ansichten zunehmend angefeindet und der Zensur in Deutschland überdrüssig, übersiedelte Heine 1831 nach Paris. Was zunächst als freiwilliger Aufbruch begann, wurde durch die folgenden Jahre endgültig zum Exil: Heines Werke wurden aufgrund seiner politischen Einstellung 1833 in Preußen und 1835 in allen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes verboten. Zudem wurde von Preußen 1844 ein Grenzhaftbefehl gegen Heine erlassen. Wer nach Deutschland zurückkehrte, riskierte seine Verhaftung. Er kehrte nicht zurück.

In Paris entfaltete er sich zu dem, was er wirklich war: nicht nur Lyriker, sondern europäischer Publizist von Format. Auch Georg Lukács wertet die Übersiedlung nach der Julirevolution als eminent bedeutsam für Heines Biografie: sie machte „aus ihm einen revolutionären Publizisten von europäischem Format und europäischer Bedeutung". Sein Hauptanliegen war dabei ein erstaunlich nüchternes: Sein Hauptanliegen als politischer Publizist ist die gegenseitige Aufklärung der angeblichen „Erbfeinde" Deutschland und Frankreich. Er wollte, dass die beiden Länder aufhörten, sich zu missverstehen. Er schrieb auf Deutsch über Frankreich und auf Französisch über Deutschland, und war damit eine Art literarischer Botschafter zwischen zwei Welten, die sich kaum kannten und viel voneinander hielten.

Dass er dabei auch eine von der französischen Regierung gewährte jährliche Subvention bezog, gehört zu den dunkleren Kapiteln seiner Biografie, die er selbst nie vollständig aufgeklärt hat. Es ist eine der Stellen, an denen das vollständige Bild unangenehmer wird als die Legende. Heine war kein Heiliger. Er war ein Mensch mit Widersprüchen, und er war der erste, der das wusste.

Mathilde: Die Frau ohne Bildung, die er liebte

In Paris begegnete Heine der Frau, mit der er den Rest seines Lebens verbrachte: Crescence Eugénie Mirat, die er Mathilde nannte, weil ihm weder der eine noch der andere ihrer Vornamen zusagte. Sie war eine einfache Französin, die kaum lesen konnte, kein Deutsch verstand, wenig Interesse an Literatur hatte und Heine trotzdem oder gerade deshalb auf eine Weise hielt, die keine intellektuell ebenbürtige Gesprächspartnerin geboten hätte. So viele Liebschaften Heine vorher auch gehabt hatte, von jetzt an hing er treu und mit großer Liebe an seiner Frau.

Diese Verbindung hat Heines Biographen immer wieder verwirrt. Der scharfsinnigste Ironiker der deutschen Literatur, der Mann, der Könige und Bankiers mit seinen Worten aufgespießt hatte, liebte eine Frau, die seine Bücher nicht las. Was sagt das über ihn? Vielleicht dies: Er wollte nicht immer der Schriftstelller Heine sein. Er wollte manchmal nur geliebt werden, einfach, unkompliziert, ohne Kritik und ohne Erwartungen. Mathilde gab ihm das. Und er sorgte bis zum Ende dafür, dass sie nach seinem Tod versorgt sein würde.

Die Matratzengruft: Acht Jahre Lähmung, kein Schweigen

Im Mai 1848, während ganz Europa in Revolutionen bebte, brach Heine in Paris zusammen. Ende Mai 1848 streckt ihn eine Lähmung für immer nieder und macht ihn zum Gefangenen seines häuslichen Krankenzimmers, das er selbst als „Matratzengruft" bezeichnet. Er war fast blind und litt oft große Schmerzen. Die Rückenmarkstuberkulose, die ihn befallen hatte, lähmte seinen Körper fortschreitend, ließ aber seinen Geist unangetastet.

Was in diesen letzten acht Lebensjahren aus diesem Mann wurde, ist eines der eindrücklichsten Dokumente menschlicher Unbeugsamkeit in der Literaturgeschichte. Obgleich oft tagelang von Schmerzen erschöpft und vom Morphium betäubt, bewies Heine selbst in seiner Krankheitsperiode eine ungebrochene Produktivität. Er diktierte, wenn er nicht schreiben konnte. Er empfing Besucher, er schrieb Briefe, er vollendete Gedichte. Aus der Matratzengruft entstand der Romanzero, ein Gedichtband, der zu seinen besten Werken zählt und der von einem Mann stammt, dem man das Schreiben längst nicht mehr zugetraut hatte.

In diesen letzten Jahren kehrte Heine auch zu Gott zurück, auf seine eigene, unorthodoxe Weise. Er sagte: „Ich bin aus dem Unglauben zu Gott zurückgekommen. Ich glaube jetzt an einen persönlichen Gott, der gütig, weise und gerecht ist." Das war nicht Schwäche, nicht Resignation. Es war, so wie er es selbst beschrieb, ein Wiederfinden, nach einem langen Weg durch Aufklärung, Revolution und körperlichen Verfall. Heine ließ sich nicht festlegen: weder als Gläubiger noch als Atheist, weder als Romantiker noch als Realist, weder als Deutscher noch als Franzose. Er blieb bis zuletzt sich selbst.

Der Satz über die Bücher und die Körper

Heinrich Heine schrieb 1820, in seinem frühen Drama „Almansor", einen Satz, der heute zu den bekanntesten der deutschen Literatur gehört und der seinen Autor um mehr als ein Jahrhundert überlebt hat mit einer Aktualität, die er selbst nicht ahnen konnte: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."

Er schrieb diesen Satz über die Verbrennung des Korans durch die spanische Inquisition. 113 Jahre später verbrannten nationalsozialistische Studenten in Deutschland Bücher auf öffentlichen Plätzen. Heines eigene Werke lagen auf den Scheiterhaufen. Was als Beobachtung über eine historische Gewalttat geschrieben worden war, hatte sich als Prophezeiung erwiesen. Es gibt wenige Momente in der Literaturgeschichte, in denen ein Dichter die Zukunft so präzise beschrieben hat, ohne es zu wissen. Dieser Satz allein würde genügen, um Heines Platz in der Weltliteratur zu begründen. Er hat weit mehr hinterlassen.

Warum Heine heute so unbequem ist wie zu seinen Lebzeiten

Es gibt Dichter, die man aus historischem Interesse liest, als Zeitzeugen einer vergangenen Epoche. Heine ist kein Zeitzeuge. Er ist ein Zeitgenosse, der zufällig vor zweihundert Jahren lebte. Seine Beobachtungen über Nationalismus, über religiösen Fanatismus, über die Selbstgerechtigkeit der Mächtigen und die Feigheit der Intellektuellen, die schweigen, wenn Schweigen bequemer ist als Sprechen: Sie haben sich nicht überholt.

Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Diese Kombination ist selten, und sie ist der Grund, warum er in Deutschland eine komplizierte Rezeptionsgeschichte hat. Er war zu unbequem für die Konservativen, zu ironisch für die Revolutionäre, zu deutsch für die Franzosen und zu französisch für die Deutschen. Heine selbst sagte über sich: Ich hätte mir als lyrischer Dichter Ruhm erwerben können und Deutschland hätte mich geliebt, als satirischer hätte es mich gefürchtet, als Polemiker hätte es auf mich gehört und mich gehasst. Nun bin ich aber so ziemlich alles gewesen und niemand weiß mich zu klassifizieren. Diese Unklassifizierbarkeit war kein Problem. Sie war sein Programm.

Wenn Sie die Zitate auf dieser Seite lesen, begegnen Sie einem Mann, der aus einer verfolgten Minderheit stammte, sich taufen ließ und es bereute, sein Land liebte und aus ihm fliehen musste, jahrelang gelähmt im Bett lag und trotzdem schrieb, und der in einem Drama einen Satz hinterließ, der die Zukunft beschrieb, bevor sie eintraf. Das ist das Fundament seiner Worte: nicht nur literarisches Handwerk, sondern gelebte, unerschrockene Haltung, bis zum letzten Atemzug in der Matratzengruft.

Zitate von Heinrich Heine

Aktuell haben wir 6 Einträge von Heinrich Heine in unserer Sammlung, die in folgenden Kategorien zu finden sind:

Nur der verwandte Schmerz entlockt uns die Träne, und jeder weint eigentlich für sich selbst.

Kategorie: Traurige Zitatemehr...

Ich habe dich geliebt und liebe dich noch! Und fiele die Welt zusammen, aus ihren Trümmern stiege noch hervor meiner Liebe Flammen.

Kategorie: Zitate Liebemehr...

In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.

Kategorie: Zitate zum Thema Glückmehr...

Wir wissen, daß ein Glück, das wir der Lüge verdanken, kein wahres Glück ist.

Kategorie: Zitate zum Thema Glückmehr...

Die Freiheitsliebe ist eine Kerkerblume, und erst im Gefängnis fühlt man den Wert der Freiheit.

Kategorie: Zitate zum Thema Freiheitmehr...

Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.

Kategorie: Zitate Hochzeitmehr...

Machen Sie mit!

Dank der Mithilfe unserer fleißigen Besucher wächst unsere Sammlung ständig weiter. Auch Sie können daran teilhaben, indem Sie neue Zitate von Heinrich Heine jetzt eintragen.

Zitat eintragen