Ernest Hemingway Zitate
- Wer war Ernest Hemingway?
- Oak Park, ein Arzt und eine Opernsängerin
- Granatsplitter und ein Brief aus Italien: Die erste Wunde
- Paris, die Verlorene Generation und ein Schreibtisch im Café
- Die Eisbergtechnik: Was Hemingway nicht schrieb
- Kuba, die Pilar und ein Leben zwischen zwei Welten
- Zwei Flugzeugabstürze an aufeinanderfolgenden Tagen
- Der Nobelpreis und der Zerfall
- Ein Fluch über Generationen: Die Hemingway-Familie
- Warum Hemingway heute noch so unmittelbar trifft
- Ernest Hemingway Zitate
Wer war Ernest Hemingway?
Ernest Miller Hemingway wurde am 21. Juli 1899 in Oak Park, Illinois, geboren und starb am 2. Juli 1961 in Ketchum, Idaho, durch eigene Hand. Er war 61 Jahre alt. Zwischen diesen beiden Daten liegt eines der bewegtesten Schriftstellerleben des 20. Jahrhunderts: vier Ehen, vier Kriege, zwei Kontinente als Heimat, unzählige Abenteuer und ein Werk, das die Art veränderte, wie auf Englisch erzählt wird. Hemingway verlieh dem Lebensüberdruss der Verlorenen Generation einen Ausdruck und wurde dabei selbst zur Verkörperung eines Männlichkeitsideals, das er gleichzeitig liebte und das ihn zerstörte.
Was Hemingway von den meisten seiner Zeitgenossen unterschied, war die Konsequenz, mit der er Literatur und Leben miteinander verband. Er schrieb nicht über Krieg, ohne im Krieg gewesen zu sein. Er schrieb nicht über das Meer, ohne jahrelang auf ihm zu fischen. Er schrieb nicht über Schmerz, ohne ihn vielfach am eigenen Leib erfahren zu haben. Diese Deckungsgleichheit von Leben und Werk ist der Grund, warum seine Sätze so schwer sind wie Stein, und warum sie nach mehr als einem Jahrhundert noch immer nicht verwittern.
Oak Park, ein Arzt und eine Opernsängerin
Oak Park, der Chicagoer Vorort, in dem Hemingway aufwuchs, war eine gepflegte, bürgerliche, streng protestantische Gemeinde. Sein Vater Clarence war Landarzt mit tiefer Naturverbundenheit, der dem Jungen das Jagen und Fischen beibrachte und jeden Sommer mit der Familie an den Walloon Lake in Michigan fuhr. Seine Mutter ließ dem jungen Ernest eine musische Erziehung angedeihen, er lernte, Cello zu spielen, obwohl er keine Lust dazu hatte. Hemingway widersprach zeitlebens, wenn man ihm nachsagte, er habe von seiner Mutter nichts gelernt. Später sagte er jedoch, die musikalische Erziehung seiner Mutter habe seinen Schreibstil geprägt und verbessert. Der Rhythmus seiner Sätze, die Pausen, das Schweigen zwischen den Worten: Vielleicht ist das, was er von ihr übernommen hatte, mehr als er zugeben mochte.
Das Verhältnis zur Mutter blieb sein ganzes Leben schwierig. Grace Hall Hemingway war ehrgeizig, dominant und hatte eigene künstlerische Ambitionen, die das Familienleben überformten. Sie kleidete den kleinen Ernest als Mädchen, ließ ihn mit seiner ein Jahr älteren Schwester Marceline als Zwillingspaar auftreten und bestimmte den Haushalt mit einer Energie, gegen die der Vater wenig ausrichten konnte. Dieser frühe Kampf um Identität und Selbstbestimmung findet sich in Hemingways späterer Obsession mit Männlichkeit, Stärke und Unabhängigkeit als klarer biografischer Faden.
Granatsplitter und ein Brief aus Italien: Die erste Wunde
Im Frühjahr 1918 meldete sich Hemingway freiwillig als Fahrer für das Rote Kreuz an der italienischen Front. Er war achtzehn Jahre alt und wollte den Krieg sehen, bevor er vorbei war. Er sah ihn. Während einer dieser Einsätze wurde Ernest Hemingway von einem Metallsplitter getroffen, der zu einer schweren Beinverletzung führte. Die nächsten sechs Monate verbrachte er in einem Lazarett in Milan. Ärzte entfernten über zweihundert Metallsplitter aus seinem Körper. Er war der erste Amerikaner, der in diesem Krieg in Italien verwundet worden war, und er überlebte, weil er einem anderen Mann seine Schokolade gab und die Granate erst in dem Moment explodierte, als er sich abgewendet hatte.
Im Lazarett traf er die sieben Jahre ältere Krankenschwester Agnes von Kurowsky. Er liebte sie sofort. Sie nahm seinen Heiratsantrag an. Nach seiner Entlassung kehrte Hemingway in die USA zurück, Agnes sollte schon kurze Zeit später folgen. Wenige Wochen nach seiner Ankunft in den USA erhielt Ernest einen Brief von Agnes, demzufolge sie mit einem italienischen Offizier verlobt war. Sie heiratete diesen Offizier dann doch nicht. Hemingway heiratete stattdessen viermal. Die Wunde, die dieser Brief hinterließ, war tiefer als die Granatsplitter. Sie taucht in „In einem andern Land" wieder auf, sublimiert, verwandelt, aber erkennbar für jeden, der die Biografie kennt.
Paris, die Verlorene Generation und ein Schreibtisch im Café
1921 zog Hemingway mit seiner ersten Frau Hadley nach Paris, als Korrespondent des Toronto Star. Was er dort fand, übertraf jeden Auftrag. Er traf Gertrude Stein, die ihm zuhörte, ihn kritisierte und sein Denken über Sprache grundlegend veränderte. Er traf Ezra Pound, der seine Manuskripte redigierte und ihm beibrachte, was weggelassen werden muss. Er traf F. Scott Fitzgerald, mit dem ihn eine Freundschaft verband, die so produktiv wie zerstörerisch war. Und er traf James Joyce in einer Bar, der betrunken und brilliant war und mit dem Hemingway abends zusammen durch die Stadt zog.
In Paris führte Hemingway allerdings keinesfalls das Leben eines Bohemiens, der sein Künstlertum herausstellte und zum Zentrum seines Lebens machte. Er genoss zwar die anregenden Gespräche, aber lieber arbeitete er ehrgeizig daran, ein ernst zu nehmender Schriftsteller zu werden. Er schrieb morgens, früh, bevor die Geräusche der Stadt ihn ablenken konnten, in Cafés, manchmal in kleinen gemieteten Zimmern, immer mit dem Notizbuch zuerst, bevor die Schreibmaschine kam. Es war Gertrude Stein, die für diese Generation junger, desillusionierter Männer, die den Krieg überlebt hatten und nicht mehr wussten, wozu, den Begriff prägte: „une génération perdue", die Verlorene Generation. Hemingway stellte das Zitat seinem Roman Fiesta voran und machte es unsterblich.
Die Eisbergtechnik: Was Hemingway nicht schrieb
Der wichtigste Beitrag, den Hemingway zur Literatur leistete, lässt sich paradoxerweise nicht lesen. Er besteht in dem, was er wegließ. Mit der Kunst des Verzichts, der sogenannten Eisbergtechnik, der Leser sieht nur die Spitze, weiß aber, dass dies nur ein Bruchteil des Ganzen ist, hatte er eine dichterische Ausdrucksmöglichkeit gefunden, die die Lebenssituation der Verlorenen Generation vermittelte, ohne ins Kitschige abzugleiten.
Was bedeutet das in der Praxis? Eine Hemingway-Geschichte zeigt zwei Menschen, die über das Wetter reden oder darüber, was sie bestellen. Was sie wirklich meinen, was zwischen ihnen steht, was nicht ausgesprochen wird, das bleibt unter der Oberfläche. Der Leser spürt es, ohne dass es je formuliert wird. Die journalistische Ausbildung zwang Hemingway zu Kürze und verständlichen Aussagen, zu einer präzisen und wortkargen Prosa, die von der Kunst des Weglassens lebte. Ein guter Schreiber, sagte er, kann Dinge weglassen, die er kennt, und der Leser wird trotzdem fühlen, dass sie da sind. Wer sie weglässt, weil er sie nicht kennt, hinterlässt eine Lücke. Der Unterschied ist absolut, und er ist sofort spürbar.
Diese Methode war keine literarische Laune, sondern eine Haltung. Hemingway glaubte, dass die direkteste Sprache die ehrlichste ist, und dass Ehrlichkeit im Schreiben mehr Mut erfordert als jedes andere Abenteuer. Wer einen wahren Satz schreiben will, muss wissen, was wahr ist. Und das erfordert Selbstkenntnis, die schmerzhaft sein kann.
Kuba, die Pilar und ein Leben zwischen zwei Welten
Insgesamt zwei Jahrzehnte, von 1939 bis 1960, lebte Hemingway auf seinem kubanischen Landgut. Die Finca La Vigía außerhalb von Havanna war sein längster fester Wohnsitz, ein weißes Haus auf einem Hügel mit Blick auf das Meer, mit einer Bibliothek von Tausenden von Büchern, mit Katzen, die überall herumsaßen, und einem Pool, den er dort anlegen ließ. Auf Kuba schrieb er „Wem die Stunde schlägt" und „Der alte Mann und das Meer". Er pflegte Freundschaften mit kubanischen Fischern, die ihn besser kannten als mancher seiner Verleger.
Im Jahr 1934 kaufte Hemingway ein zwölf Meter langes Fischerboot, das er Pilar nannte, und unternahm Segeltörns in der Karibik. Die Pilar war mehr als ein Boot. Sie war seine bewegliche Zuflucht, der Ort, an dem er sich am freiesten fühlte, auf dem offenen Wasser, weit von Verlagen, Kritikern und dem eigenen Ruhm. Im Zweiten Weltkrieg rüstete er die Pilar heimlich mit Waffen aus, um im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes deutsche U-Boote zu beschatten. Ob diese Mission jemals Früchte trug, ist bis heute Gegenstand historischer Diskussion. Dass Hemingway sie mit derselben Ernsthaftigkeit betrieb wie alles andere, was er tat, ist verbürgt.
Zwei Flugzeugabstürze an aufeinanderfolgenden Tagen
Im Januar 1954 befand sich Hemingway mit seiner vierten Frau Mary auf Safari in Uganda. Was folgte, gehört zu den erstaunlichsten Überlebensgeschichten eines Schriftstellers im 20. Jahrhundert. Dort überlebte er schwer verletzt zwei Flugzeugabstürze an aufeinanderfolgenden Tagen. Beim ersten Absturz schlug er mit dem Kopf gegen eine Strebe und zog sich innere Verletzungen zu. Beim Versuch der Evakuierung stürzte das zweite Flugzeug beim Start ab und fing Feuer. Hemingway soll die Tür mit dem Kopf eingestoßen haben, um sich zu befreien.
Die Außenwelt hörte zunächst, er sei tot. Zeitungen druckten Nachrufe. Hemingway las sie, soweit sein Zustand es zuließ. Die Verletzungen, die er bei diesen Abstürzen erlitt, waren gravierend: Rückenwirbel gebrochen, Niere und Milz beschädigt, Schädelbrüche, Verbrennungen. Er erholte sich nie vollständig. Viele Biographen sehen in diesen Abstürzen den medizinischen Wendepunkt, der seinen körperlichen und psychischen Verfall einleitete. Was danach kam, war ein langer, schmerzhafter Abstieg, der sich über sieben Jahre hinzog.
Der Nobelpreis und der Zerfall
Noch im selben Jahr, 1954, erhielt Hemingway den Nobelpreis für Literatur, vor allem für „Der alte Mann und das Meer". Er war zu krank, um nach Stockholm zu reisen, und ließ seine Dankesrede verlesen. In ihr schrieb er, ein Schriftsteller werde im Glück nicht besser, sondern müsse immer wieder tiefer gehen als er glaubt gehen zu können, allein, ohne Hilfe. Es war ein Satz, der klang wie ein Abschied.
In den folgenden Jahren verschlechterte sich sein Zustand in nahezu allen Hinsichten gleichzeitig. Alkohol, Depressionen, körperliche Schmerzen und ein zunehmender Gedächtnisverlust machten das Schreiben unmöglich. Heutzutage gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Autor an CTE gelitten hat, chronisch traumatischer Enzephalopathie, einer Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch wiederholte schwere Schläge gegen den Kopf ausgelöst wird. Zu den Symptomen gehören Gedächtnisverlust, Verhaltensveränderungen, Depressionen und gesteigerte Aggressionen. Jahrelanges Boxen, mehrere Autounfälle, die Granate in Italien, die Flugzeugabstürze: Hemingways Körper und sein Gehirn hatten mehr getragen, als ein Mensch tragen kann.
Er unterzog sich Elektroschockbehandlungen in der Mayo-Klinik in Minnesota. Kurz vor seinem Tod sagte er zu seinem langjährigen Freund Hotchner: „Welchen Sinn hat es, meinen Kopf zu zerstören und mein Gedächtnis, mein Kapital, auszulöschen, und mich so arbeitsunfähig zu machen? Es war eine brillante Heilung, doch haben wir den Patienten verloren." Dieser Satz ist das präziseste und bitterste Urteil, das er je über seine eigene Lage fällte, formuliert mit derselben Klarheit, die seine besten Geschichten auszeichnete. Am 2. Juli 1961 erschoss er sich mit einer Flinte, die er seit Jahren als seine Lieblingswaffe bezeichnet hatte. Wie sein Vater vor ihm dreiunddreißig Jahre früher.
Ein Fluch über Generationen: Die Hemingway-Familie
Was an Hemingways Ende am schwersten wiegt, ist seine Einbettung in ein Familienmuster, das man nicht ignorieren kann. Nicht nur Ernest Hemingway starb durch Suizid, sondern auch drei der genannten Familienmitglieder: der Vater, die Schwester Ursula und der Bruder Leicester. 35 Jahre nach Ernest nahm sich als Fünfte seine Enkelin Margaux, Schauspielerin und Fotomodell, ebenfalls das Leben. Fünf Menschen aus derselben Familie, über drei Generationen hinweg. Mediziner, die sich mit der Hemingway-Familie beschäftigt haben, vermuten eine genetische Veranlagung zu Depressionen und möglicherweise zur Hämochromatose, einer Eisenspeicherkrankheit, die zu psychischen Störungen führen kann.
Dieses Muster macht Hemingways Tod nicht weniger erschütternd. Es macht ihn menschlicher. Es zeigt, dass hinter dem Bild des unverwüstlichen Abenteurers ein Mensch stand, der kämpfte, auf eine Weise, die nach außen nicht sichtbar war, weil er selbst sie nie sichtbar machen wollte. Sein Stil des Weglassens war nicht nur Literaturtheorie. Er war Lebensprinzip. Was er nicht aussprach, lebte darunter weiter. Das gilt für seine Bücher. Und es gilt für ihn.
Warum Hemingway heute noch so unmittelbar trifft
Es gibt Schriftsteller, die man mit historischem Abstand liest, als Zeugnisse einer vergangenen Epoche. Hemingway gehört nicht dazu. Seine Geschichten über Krieg, Verlust, Freundschaft und die Stille, die entsteht, wenn Worte aufgehört haben zu reichen, sprechen Menschen in einer Zeit an, in der Sprache inflationär und Stille selten geworden ist. Hemingway war ein unermüdlicher Sucher nach Wahrheit und Authentizität. Er verabscheute Unehrlichkeit und Falschheit sowohl im Leben als auch in der Kunst. Diese Haltung ist in einer Welt voller Selbstdarstellung und inszenierter Echtheit nicht weniger relevant als in Paris der 1920er Jahre.
Was dabei beachtet werden sollte: Hemingway werden im Internet zahlreiche Sätze zugeschrieben, die sich in keinem seiner Werke oder Briefe nachweisen lassen. Sein Stil ist so prägnant, dass gut klingende Aphorismen leicht unter seinem Namen kursieren. Wer seine wirklichen Worte kennenlernen möchte, liest seine Romane, seine Kurzgeschichten und seinen posthum erschienenen Erinnerungsband „Paris, ein Fest fürs Leben", in dem seine eigene Stimme am unmittelbarsten zu hören ist.
Wenn Sie die Zitate auf dieser Seite lesen, begegnen Sie einem Mann, der über zweihundert Granatsplitter überlebt hat, zwei Flugzeugabstürze, vier Ehen und die Last eines Ruhms, der schwerer wurde als das, was darunter stand. Seine Sätze sind so karg wie er selbst, und genau darin liegt ihre Kraft: Sie sagen mehr, als sie zu sagen scheinen, weil das Wichtigste darunter liegt, unsichtbar und schwer, wie neun Zehntel eines Eisbergs.
Zitate von Ernest Hemingway
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