Bonhoeffer Zitate

Wer war Dietrich Bonhoeffer?

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 als sechstes von acht Kindern in Breslau geboren und am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt, zwei Wochen vor der Befreiung des Lagers durch amerikanische Truppen. Er war 39 Jahre alt. Hinter diesem Leben steckt eine Biografie, die unter den bedeutenden Theologen des 20. Jahrhunderts ohne Vergleich ist: Bonhoeffer dachte nicht nur über den christlichen Glauben nach. Er lebte ihn, bis zu seiner äußersten Konsequenz, und zahlte dafür den höchsten Preis, den ein Mensch zahlen kann.

Was ihn von vielen anderen Märtyrern der Geschichte unterscheidet, ist die intellektuelle Klarheit, mit der er seinen Weg wählte. Er war kein Fanatiker, kein Heiliger aus dem Bilderbuch, kein Mensch ohne Zweifel. Er tafelte gerne ausgiebig mit Freunden und übernahm dann ebenso gerne die Zeche. Er rauchte, liebte Musik, spielte Klavier und war für seinen Witz und seine Geselligkeit bekannt. Dieser Mensch entschied sich, gegen Hitler zu kämpfen, nicht weil er nichts zu verlieren hatte, sondern weil er alles hatte und trotzdem nicht wegschaute.

Eine Professorenfamilie, ein Bruder im Krieg und ein früher Entschluss

Bonhoeffer wurde 1906 als Sohn eines Psychiatrie-Professors in Breslau geboren und wuchs mit sieben Geschwistern im Berliner Villen-Stadtteil Grunewald auf. Seine Mutter, eine Lehrerin, stammte aus einer adligen Theologen-Familie. Es war eine Familie mit Rang, mit Bildung und mit einem ausgeprägten Sinn für intellektuelle Redlichkeit. Diskussionen beim Abendessen waren keine Ausnahme, sondern Gewohnheit. Wer in diesem Haus aufwuchs, lernte früh, Gedanken zu formulieren und zu verteidigen.

Die Grausamkeit des Ersten Weltkriegs blieb nicht vor der Haustür. Die Grausamkeit des Krieges kehrte ins Haus Bonhoeffer ein, als sein zweitältester Bruder Walter im April 1918 fiel. Dietrich war zwölf Jahre alt. Was dieser Verlust in ihm auslöste, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aber der Entschluss, den er kurz darauf fasste, und den seine Familie mit einiger Verblüffung aufnahm, steht in diesem Zusammenhang: Er wollte Theologe werden. Kein Arzt wie der Vater, kein Jurist wie mancher Bruder. Theologe. Als seine Familie sanft fragte, ob er sich bewusst sei, in welchem Zustand die Kirche sei und wie wenig attraktiv das Milieu, soll er geantwortet haben: Dann werde ich sie eben erneuern.

Mit 21 Jahren promoviert, mit 24 habilitiert und mit 25 Privatdozent. Die akademische Laufbahn verlief so reibungslos wie nur selten. Was dabei gerne übersehen wird: Sein Abitur war zwar mit Bestnoten, aber seine Handschrift wurde damals mit "nicht genügend" bewertet. Es gibt schlechtere Zeichen dafür, dass nicht alles Äußerliche zählt.

New York und Harlem: Was Amerika aus ihm machte

1930 reiste Bonhoeffer für ein Jahr an das Union Theological Seminary in New York. Es war ein Aufenthalt, der ihn in einer Weise prägte, die in seiner Biografie selten genug gewürdigt wird. Das theologische Niveau der amerikanischen Universitäten enttäuschte ihn, das schrieb er offen in Briefen. Was ihn aber tief traf, war etwas anderes: Harlem.

Bonhoeffer besuchte regelmäßig die Abyssinian Baptist Church in Harlem, predigte dort gelegentlich und erlebte eine Form von Gemeinde und Glaubenspraxis, die er in den deutschen Kirchen nie kennengelernt hatte. Er erlebte, wie die Schwarze Gemeinschaft in den USA mit dem Glauben umging, nicht als akademische Angelegenheit, sondern als Überlebensfrage, als täglichen Widerstand gegen Unterdrückung, als gelebte Hoffnung. Dieser Eindruck ließ ihn nicht los. Er brachte Schallplatten mit Black-Gospel-Musik zurück nach Deutschland und spielte sie seinen Seminaristen vor, weil er ihnen zeigen wollte, wie Glaube klingt, wenn er wirklich lebt. Diese Erfahrung in Harlem ist eine der Wurzeln seines späteren Bestehens darauf, dass Glaube sich immer im konkreten Handeln für andere bewähren muss.

Billige Gnade, teure Gnade: Sein wichtigster theologischer Begriff

In seinem 1937 erschienenen Buch "Nachfolge" entwickelte Bonhoeffer eine Unterscheidung, die zu einem der einflussreichsten theologischen Begriffe des 20. Jahrhunderts wurde: der Unterschied zwischen billiger Gnade und teurer Gnade. Billige Gnade, das ist Vergebung ohne Buße, Taufe ohne Gemeinde, Nachfolge ohne Kreuz. Es ist, mit seinen Worten, Gnade als Ramschware, als Trost für ein Gewissen, das sich gar nichts dabei denkt.

Teure Gnade dagegen kostet etwas. Sie verlangt eine Entscheidung, ein Aufgeben, eine echte Veränderung der eigenen Existenz. Karl Barth bezeichnete dieses Buch nach dem Krieg als das mit "Abstand Beste, was dazu geschrieben ist" , und Barth war kein Mann, der leichtfertig lobte. Was diesen Text so dauerhaft relevant macht, ist seine Diagnose, die nicht nur für die Kirche gilt: Überall dort, wo Überzeugungen keine Konsequenzen haben, wo man sich auf Werte beruft, ohne sie zu leben, handelt man nach dem Prinzip der billigen Gnade. Das ist im 21. Jahrhundert keine geringere Versuchung als im Deutschland der 1930er Jahre.

Finkenwalde: Eine illegale Schule des Gehorsams

1935 übernahm Bonhoeffer auf Bitten der Bekennenden Kirche, jener Teil der evangelischen Kirche, der sich dem NS-Regime verweigerte, die Leitung eines Predigerseminars in Finkenwalde in Pommern. Was er dort aufbaute, war ungewöhnlich für eine protestantische Ausbildungsstätte: eine Gemeinschaft, die gemeinsam betete, gemeinsam schwieg, gemeinsam las und in der das Theologiestudium und das spirituelle Leben untrennbar verbunden waren. Das Buch, das daraus entstand, "Gemeinsames Leben", gehört bis heute zu den meistgelesenen Texten christlicher Spiritualität weltweit.

Ein Erlass Heinrich Himmlers verfügte die Schließung des Finkenwalder Predigerseminars. Bonhoeffer führte die Arbeit im Untergrund fort, von mutigen Superintendenten gedeckt, illegal, unter ständiger Beobachtung der Gestapo. Zu den insgesamt 112 im Predigerseminar Finkenwalde ausgebildeten Kandidaten gehörten auch der spätere Berliner Bischof Albrecht Schönherr sowie die Theologieprofessoren Gerhard Ebeling und Gerhard Krause. Was in einem illegalen Seminar in Pommern begann, trug also Früchte, die weit in die Nachkriegstheologie hineinreichten.

Die Rückkehr, die er nicht musste

Im Sommer 1939 war Bonhoeffer erneut in den USA, auf Einladung amerikanischer Freunde, die ihm eine sichere akademische Stelle anboten. Er hätte bleiben können. Er hatte Verbindungen, er hatte Kollegen, die ihm einen Ausweg aus dem sich zuspitzenden Deutschland offen ließen. Er blieb ein paar Wochen, und dann schrieb er an seinen Gastgeber Reinhold Niebuhr einen Brief, der zu den eindrücklichsten Dokumenten seines Lebens gehört.

Er schrieb sinngemäß, er habe entschieden zurückzukehren. Er könne nicht außerhalb Deutschlands sein, wenn sein Volk in diese dunkelste Zeit eintritt. Er hätte kein Recht, am Wiederaufbau nach dem Krieg mitzuwirken, wenn er die Prüfung dieser Zeit nicht mit seinem Volk geteilt hätte. Dieser Brief war keine fromme Geste. Er war eine nüchterne Abwägung, aus der Bonhoeffer wusste, was folgen würde. Er fuhr zurück und bestieg damit buchstäblich das Schiff in die Gefahr. Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg.

Theologe als Doppelagent: Der Weg in den Widerstand

Was viele überrascht: Bonhoeffer wurde kein Widerstandskämpfer auf die Art, die man sich vorstellt. Er trug keine Waffe, er baute keine Bomben. Sein Weg in den aktiven Widerstand verlief über seinen Schwager Hans von Dohnanyi, der in der Abwehr, dem militärischen Geheimdienst, arbeitete und zum inneren Widerstandszirkel um Admiral Canaris gehörte. Als Vertrauensmann knüpfte Bonhoeffer mit Hilfe seiner ökumenischen Kontakte Verbindungen zwischen den westlichen Regierungen und dem deutschen Widerstand.

Er reiste als vermeintlicher Geheimdienstmitarbeiter ins neutrale Ausland, nach Schweden, in die Schweiz, nach Italien, und nutzte dabei seine kirchlichen Netzwerke, um westlichen Regierungen zu versichern, dass es im deutschen Militär ernsthafte Kräfte gebe, die Hitler stürzen wollten. Die spektakulärste dieser Reisen war das Treffen mit Bischof Bell von Chichester Mitte 1942 in Schweden. Bonhoeffer bat Bell, die britische Regierung davon zu überzeugen, dem deutschen Widerstand im Falle eines erfolgreichen Staatsstreichs akzeptable Friedensbedingungen anzubieten. Bell versuchte es. Winston Churchill lehnte ab. Diese Ablehnung war einer der Gründe, warum der Widerstand im deutschen Militär so lange zögerte.

Bonhoeffer war sich bewusst, was er tat, und er wusste, dass es theologisch nicht einfach zu rechtfertigen war. In seiner unvollendeten "Ethik" rang er darum, wie ein Christ handeln darf, wenn die normalen Maßstäbe versagen. Seine Antwort war keine bequeme: Manchmal muss man Schuld auf sich nehmen, um Schlimmeres zu verhindern, und diese Schuld ist wirkliche Schuld, keine Ausrede. Er verlangte von niemandem etwas, was er nicht selbst bereit war zu tragen.

Verhaftet und verlobt: Die letzten zwei Jahre

Am 5. April 1943 wurde Bonhoeffer verhaftet. Im Januar hatte er sich mit der erst 18-jährigen Maria von Wedemeyer verlobt, die er im Sommer zuvor kennengelernt hatte. Die Verlobung war gerade wenige Monate alt. Was folgte, war eine Korrespondenz zwischen den beiden, die erst Jahrzehnte nach dem Krieg vollständig veröffentlicht wurde und die zu den berührendsten Liebesbriefen der deutschen Literatur gehört. Maria besuchte ihn im Gefängnis, wartete auf ihn, und erfuhr seinen Tod in einem kurzen Telegramm.

Aus dem Militärgefängnis Tegel, wo er zunächst inhaftiert war und unter vergleichsweise menschlichen Bedingungen leben konnte, schrieb er Briefe an seinen Freund Eberhard Bethge, die nach dem Krieg unter dem Titel "Widerstand und Ergebung" erschienen. Dieses Werk enthält einige der wichtigsten theologischen Schriften Bonhoeffers, darunter seine Überlegungen zur Rolle der Kirche in einer säkularisierten Welt und seine Entwürfe einer "religionslosen Christlichkeit". Die Frage, was Christentum bedeutet in einer Welt, die ohne Gott auskommt, stellte er nicht als Kapitulation vor der Säkularisierung, sondern als Einladung: Wie kann der Glaube erwachsen werden, statt sich auf Schwächen und Bedürfnisse der Menschen zu stützen?

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurden belastende Akten gefunden. Bonhoeffer kam in das Gestapo-Gefängnis in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße, später nach Buchenwald und schließlich nach Flossenbürg. In dieser Zeit lernte er auch den britischen Offizier Payne Best kennen, der später wichtige Zeugnisse über Bonhoeffers Glauben und Charakter während der Haft lieferte. Best beschrieb ihn als jemanden, der in den dunkelsten Stunden der ruhigste und ausgeglichenste Mensch im Raum war, tief in sich selbst verankert, ohne jede Pose.

Am Morgen des 9. April 1945 hielt Bonhoeffer für seine Mitgefangenen noch eine kurze Andacht, betete und wurde dann zur Hinrichtung geführt. Der Lagerarzt, der die Hinrichtung beobachten musste, schrieb später, er habe in fünfzig Jahren ärztlicher Praxis kaum je einen Menschen so sterben sehen: vollkommen ruhig, ohne Zögern, in einer Haltung der Ergebung, die nicht Resignation war, sondern Gewissheit.

Warum Bonhoeffers Worte heute so unbequem wie je sind

Es gibt eine Gefahr, die jedem großen Märtyrer droht: dass er so weit in den Heiligenschein gerückt wird, dass seine Worte aufhören, unbequem zu sein. Bei Bonhoeffer passiert das regelmäßig, und es wäre sein größtes Missverständnis. Denn seine Texte sind keine Trostliteratur. Sie sind eine Herausforderung. Die Unterscheidung zwischen billiger und teurer Gnade ist keine historische Kuriosität. Sie ist eine Frage, die jeder Mensch, ob gläubig oder nicht, an das eigene Leben stellen kann: Lebe ich meine Überzeugungen wirklich, oder berufe ich mich auf sie, ohne mich von ihnen stören zu lassen?

Bonhoeffer hat diese Frage nicht nur gestellt. Er hat sie beantwortet, mit seinem Weg, mit seiner Rückkehr aus Amerika, mit seinem Eintritt in den Widerstand, mit seiner Haft und mit seinem Tod. Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen , schrieb er. Das gilt für Christen. Und es gilt, wer ihn ehrlich liest, für jeden Menschen, dem Gerechtigkeit etwas bedeutet, egal welchen Glaubens oder welcher Überzeugung.

Wenn Sie die Zitate auf dieser Seite lesen, begegnen Sie keinem abstrakten Theologen. Sie begegnen einem Mann, der eine Geige spielte, Wein trank, mit Freunden lachte, seine Verlobte liebte und trotz alledem, oder vielleicht gerade deshalb, die klarste Entscheidung traf, die ein Mensch treffen kann: für das Richtige einzustehen, auch wenn es ihn das Leben kostete. Dieses Fundament macht jeden seiner Sätze zu mehr als Buchstaben auf Papier.

Zitate von Dietrich Bonhoeffer

Aktuell haben wir 6 Einträge von Dietrich Bonhoeffer in unserer Sammlung, die in folgenden Kategorien zu finden sind:

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Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.

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