Charles Dickens Zitate

Wer war Charles Dickens?

Charles John Huffam Dickens wurde am 7. Februar 1812 in Landport bei Portsmouth geboren und starb am 9. Juni 1870 in seinem geliebten Landhaus Gad's Hill Place in Kent, 58 Jahre alt und mitten in der Arbeit an einem neuen Roman. Er war das zweite von acht Kindern eines Marineschreibers, der Geld wie Sand durch die Finger rinnen ließ, und wuchs in einer Familie auf, in der zwischen gediegenem Anspruch und echter Not immer nur eine schlechte Entscheidung des Vaters lag. Diese Spannung zwischen dem, was man sein wollte, und dem, was man war, zieht sich durch Dickens' gesamtes Leben und erklärt, warum seine Bücher so anders sind als die seiner Zeitgenossen.

Er war der erste Schriftsteller in England, der das Leben der unteren Gesellschaftsschichten in seinen Erzählungen im vollen Umfang beschrieb. Das klingt nach einem literaturgeschichtlichen Befund und ist in Wirklichkeit eine menschliche Aussage: Dickens schrieb über Armut, weil er sie kannte, nicht vom Hörensagen, sondern aus einer Kindheit, die ihn dauerhaft gezeichnet hat. Wer seine Worte verstehen will, muss diesen Hintergrund kennen.

Der Vater im Gefängnis, der Sohn in der Fabrik

1824 wurde Dickens' Vater John wegen unbezahlter Schulden in das Schuldgefängnis Marshalsea in London eingeliefert. Was heute kaum vorstellbar ist, war damals üblich: Die Mutter zog mit den sieben Geschwistern ebenfalls in das Gefängnis, was damals üblich war. Nur Charles lebte außerhalb, um den Unterhalt für die ums finanzielle Überleben kämpfende Familie zu verdienen. Er war zwölf Jahre alt.

Was folgte, waren Monate in der Warren's Blacking Factory in Hungerford Market, wo Dickens den ganzen Tag Etiketten auf Schuhcreme-Gläser klebte, in einer feuchten, rattenverseuchten Lagerhalle, neben Jungen aus dem untersten sozialen Milieu Londons. Hunger und Kälte, der „Schmerz der Erniedrigung", das Gefühl des Verlassenseins gepaart mit Hoffnungslosigkeit brannten sich in ihn ein. Noch als Erwachsener, berühmt und wohlhabend, schrieb er, dass er in Einsamkeit immer wieder in jene Zeit zurückwandere, als habe er sie nie wirklich verlassen können.

Als sein Vater wenige Monate später durch eine Erbschaft aus dem Gefängnis freikam, schickte ihn die Mutter weiterhin in die Fabrik. Nicht der Vater, die Mutter. Dickens hat ihr das nie vollständig verziehen. In seinen Romanen finden sich Mutterfiguren, die versagen, die ihre Kinder dem System überlassen, die wegschauen, und man muss diese Biografie kennen, um zu verstehen, woher diese Figuren kommen.

Eine Scham, die er dreißig Jahre lang verschwieg

Einer der aufschlussreichsten Züge im Charakter von Charles Dickens ist sein langes Schweigen über die Fabrikzeit. Er war einer der bekanntesten Männer Englands, schrieb über soziale Missstände mit einer Offenheit, die das Lesepublikum seiner Zeit regelmäßig aufwühlte, und dennoch sprach er öffentlich nie über jene Monate in der Schuhcremefabrik. Kein Interview, keine öffentliche Rede, kein Essay. Nur seinem engsten Freund und späteren Biografen John Forster vertraute er die Geschichte an, und selbst das erst Jahrzehnte nach den Ereignissen.

Diese Scham ist psychologisch aufschlussreicher als jedes offene Bekenntnis. Sie zeigt, dass die Demütigung von damals nie zur bloßen Erinnerung wurde, sondern ein lebendiger Teil seiner Identität blieb. Seine Romane waren in gewissem Sinne sein Weg, die Wahrheit zu sagen, ohne sie direkt auszusprechen. Oliver Twist, David Copperfield, Pip in Great Expectations: Sie alle durchleben Versionen jener Erfahrung, die Dickens selbst zu erzählen nicht über sich brachte. Die Literatur wurde zu seinem Geständnis.

Vom Stenografen zur Stimme eines Jahrhunderts

Dickens' Weg zum Schreiben verlief nicht über eine Universität oder einen literarischen Zirkel, sondern über die härteste Schule, die es für einen angehenden Autor geben kann: den Journalismus. Nach seiner Tätigkeit als Schreiber bei einem Rechtsanwalt wurde er 1829 Gerichts-Stenograph und 1831 Parlamentsberichterstatter. Er saß in Gerichtssälen und im Parlament, schrieb mit einer Geschwindigkeit mit, die seine Kollegen verblüffte, und lernte dabei etwas, das kein Literaturstudium gelehrt hätte: wie Menschen wirklich reden, wenn sie unter Druck stehen, wenn sie lügen, wenn sie betteln, wenn sie urteilen.

Diese Ausbildung in der Wirklichkeit erklärt, warum seine Charaktere so lebendig sind. Dickens erfand keine Figuren am Schreibtisch. Er beobachtete sie auf der Straße, in Gerichtssälen, in Armenvierteln und in den Parlamentsdebatten, die er stenografierte. London war sein Laboratorium, und er kannte es zu Fuß wie kein anderer: Es ist überliefert, dass Dickens regelmäßig zwanzig bis dreißig Kilometer pro Tag durch die Stadt lief, oft nachts, durch die dunkelsten Viertel, immer beobachtend, immer notierend, immer auf der Suche nach dem nächsten Gesicht, das in einem Roman weiterleben sollte.

Das Geheimnis des Fortsetzungsromans

Fast alle großen Romane von Dickens erschienen nicht zuerst als Bücher, sondern als monatliche oder wöchentliche Fortsetzungen in Zeitschriften. Das war damals eine gängige Praxis, aber Dickens nutzte sie wie kein anderer. Er schrieb seine Kapitel oft erst wenige Tage vor dem Drucktermin und reagierte dabei direkt auf die Reaktionen seiner Leserinnen und Leser. Wenn eine Figur besonders gut ankam, bekam sie mehr Raum. Wenn eine Handlung das Publikum kalt ließ, änderte er den Kurs.

Diese Arbeitsweise erklärt einerseits die atemlose Energie vieler seiner Romane, die sich bis heute nicht vollständig aus dem Kopf gehen lassen. Sie erklärt aber auch manche Längen und Ungleichmäßigkeiten, die Literaturkritiker ihm bis heute vorhalten. Dickens schrieb unter dem Druck des nächsten Hefts, unter dem Druck seiner Leserschaft und unter dem Druck seiner eigenen Lebenshaltungskosten, die mit zunehmendem Ruhm nicht kleiner wurden. John Forster berichtet in seiner Dickens-Biografie, dass sein Freund dem Roman „Great Expectations" ursprünglich kein Happy End geben wollte, sondern mit einem Schluss voller Resignation und Desillusion enden wollte. Erst auf Anraten des befreundeten Schriftstellers Edward Bulwer-Lytton habe Dickens seinem Roman einen glücklichen Ausgang geschenkt. Was das über den Mann verrät: Er folgte nicht immer nur seiner künstlerischen Intuition. Er hörte zu.

Eine Weihnachtsgeschichte: Literatur als sozialer Aufschrei

Im Jahr 1843 las Dickens einen Parlamentsbericht über die Ausbeutung von Kindern in englischen Fabriken. Was er dort fand, ließ ihn nicht los. Er hätte einen Zeitungsartikel schreiben können, eine Petition, einen offenen Brief. Stattdessen schrieb er in sechs Wochen „A Christmas Carol", die Geschichte des Geizkragens Ebenezer Scrooge, der in einer Nacht von drei Geistern durch sein vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Leben geführt wird und am Ende als verwandelter Mensch erwacht.

Das Buch erschien kurz vor Weihnachten und war innerhalb weniger Tage ausverkauft. Die Verkündung seiner Philosophie, Verantwortung füreinander und Nächstenliebe, wurde in den kommenden Jahren zur weihnachtlichen Tradition. Dabei hatte Dickens mit diesem Buch keineswegs nur eine gemütliche Festtagsgeschichte schreiben wollen. Er wollte das Gewissen einer Nation erschüttern. Dass ihm beides gelang, ist sein eigentliches Kunststück: eine Geschichte zu schreiben, die man zu Weihnachten weinen lässt und die trotzdem eine politische Botschaft trägt, ohne jemals wie ein Pamphlet zu klingen.

Der Schauspieler auf der Bühne: Dickens als Performer

Dickens war nicht nur Schriftsteller. Er war ein begnadeter Schauspieler, der in jungen Jahren ernsthaft erwogen hatte, zum Theater zu gehen, und der diese Leidenschaft in der zweiten Hälfte seines Lebens auf spektakuläre Weise auslebte: durch öffentliche Lesungen aus seinen eigenen Werken. Er tourte durch England und zweimal durch Amerika, trat vor Tausenden auf und gab seinen Figuren dort eine Stimme und eine Körperlichkeit, die das Publikum in Tränen und Gelächter versetzten, manchmal in einem einzigen Abend.

Diese Lesereisen waren jedoch auch sein Verhängnis. Sie erschöpften ihn systematisch. Bei einem seiner Auftritte erlitt der berühmte Schriftsteller einen Schlaganfall. Er musste die Reise abbrechen. Ärzte rieten ihm dringend, die Lesungen einzustellen. Er hörte kaum. Der Applaus, das direkte Gespräch mit seinem Publikum, war für ihn eine Abhängigkeit, die er nicht aufgeben konnte oder wollte. Am 9. Juni 1870 starb er an den Folgen eines zweiten Schlaganfalls, erschöpft von einem Leben, das er immer bis an die Grenze gelebt hatte.

Bezeichnend ist ein Detail aus seinen letzten Lebensjahren: Gad's Hill Place, ein prachtvolles Anwesen bei Rochester, das ihm der Vater in seiner Kindheit einmal gezeigt hatte, war für ihn der Inbegriff des standesgemäßen Landsitzes eines Gentlemans. Er erwarb es 1857 und starb dort. Das Kind aus der Schuhcremefabrik hatte sich bis in genau jenes Haus gearbeitet, das er als Junge nur von außen hatte betrachten dürfen. Dickens selbst hat diese Ironie gekannt und notiert.

Ein Mann voller Widersprüche

Wer Dickens vollständig verstehen will, muss auch die unbequemen Seiten seines Lebens in den Blick nehmen. Er schrieb über familiäre Wärme und häusliches Glück und trennte sich 1858 nach zweiundzwanzig Jahren öffentlich und bitter von seiner Frau Catherine, mit der er zehn Kinder hatte. Er bestand darauf, die Trennung in seinen Zeitschriften öffentlich zu machen, und beschädigte damit Catherines Ruf in einer Gesellschaft, die Frauen in solchen Situationen wenig Spielraum ließ.

Hintergrund war seine Beziehung zu der jungen Schauspielerin Ellen Ternan, die er bis zu seinem Tod heimlich unterhielt. Als Dickens mit Ellen Ternan in einem Zug nach einem Besuch in Paris fuhr, entgleiste der Zug, und sein Privatleben geriet erneut ins Rampenlicht. Er half nach dem Unglück Verletzten aus den Waggons, kehrte dann aber noch einmal in den Zug zurück, wie später bekannt wurde, um seine Manuskripte zu retten. Die Prioritäten des Mannes waren, man mag es beurteilen wie man will, eindeutig.

Und dann ist da noch das Verhältnis zu Geld. Dickens schrieb über die Not der Armen und lebte selbst aufwendig. Er war großzügig und gleichzeitig kontrollierend, großherzig und gleichzeitig eitel. Diese Widersprüche machen ihn nicht zu einem schlechteren Schriftsteller, aber sie vervollständigen das Bild eines Mannes, der über menschliche Schwäche so gut schreiben konnte, weil er so viele davon in sich selbst kannte.

Warum Dickens heute noch so unmittelbar trifft

Es gibt Bücher, die man als historische Dokumente liest, mit Interesse, aber aus einer sicheren Distanz. Dickens gehört nicht in diese Kategorie. Wer heute „Oliver Twist" oder „Great Expectations" aufschlägt, liest keine Museumsexponaten. Er liest Geschichten über Kinder, die das System fallen lässt, über aufgeblasenen Reichtum ohne Würde, über die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Angst vor Absturz. Diese Themen haben in zwei Jahrhunderten nichts von ihrer Dringlichkeit verloren.

Was Dickens dabei von vielen anderen Sozialkritikem seiner Zeit unterscheidet, ist seine Weigerung, das Elend abstrakt zu lassen. Bei ihm hat Armut ein Gesicht, einen Namen, eine Stimme, eine Geschichte. Oliver Twist ist kein Symbol. Er ist ein Junge, der Hunger hat. Diese Konkretheit war Dickens' eigentliche Methode, und sie funktioniert noch heute, weil sie das Herz anspricht, bevor sie den Verstand beschäftigt.

Wenn Sie die Zitate auf dieser Seite lesen, begegnen Sie einem Mann, der aus tiefer persönlicher Erfahrung schrieb, nicht aus dem Elfenbeinturm, sondern aus der Schuhcremefabrik, aus dem Gerichtssaal, aus den Nachtstraßen Londons. Seine Sätze haben das Gewicht von gelebter Wirklichkeit, und genau das ist der Unterschied zwischen einem Autor, den man für eine Weile liest, und einem, den man nicht mehr vergisst.

Zitate von Charles Dickens

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Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.

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In der kleinen Welt, in welcher Kinder leben, gibt es nichts, dass so deutlich von ihnen erkannt und gefühlt wird, als Ungerechtigkeit.

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Ich werde Weihnachten in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr hindurch aufzuheben.

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Weihnachten! Der muss wahrhaft ein Menschenfeind sein, in dem nicht etwas wie Heiterkeit ist, bei dem nicht etliche erfreuliche Assoziationen kommen, wenn sich Weihnachten nähert.

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Ich fühle, dass Kleinigkeiten die Summe des Lebens ausmachen.

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und ich werde an Weihnachten nach Hause kommen. Wir alle tun das oder sollten es tun. Wir alle kommen heim oder sollten heimkommen. Für eine kurze Rast, je länger desto besser, um Ruhe aufzunehmen und zu geben.

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Frohsinn und Zufriedenheit sind große Verschönerer und berühmte Pfleger von jugendlichem Aussehen.

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Jedes Baby, das das Licht der Welt erblickt, ist schöner als das vorhergehende.

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Wenn es keine schlechten Menschen gäbe, gäbe es keine guten Juristen.

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Weinen öffnet die Lungen, wäscht das Antlitz, ist eine gute Übung für die Augen und besänftigt. Also weine ruhig.

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Ich will Weihnachten in meinem Herzen ehren, ich will versuchen, es zu feiern. Ich will in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft leben.

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Ich glaube, dass die Beobachtungsgabe vieler sehr junger Kinder wegen ihrer Nähe und Genauigkeit etwas sehr Wunderbares ist. Wahrhaftig denke ich, dass man von den meisten Erwachsenen, die in dieser Hinsicht bemerkenswert sind, weniger sagen kann, dass sie diese Fähigkeit erworben, als vielmehr, dass sie sie nicht verloren haben.

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