Zitate von Augustinus von Hippo

Wer war Augustinus von Hippo?

Aurelius Augustinus wurde am 13. November 354 in Thagaste geboren, einer kleinen Stadt im heutigen Algerien, das damals zur römischen Provinz Numidien gehörte. Er starb am 28. August 430 in Hippo Regius, einer Hafenstadt an der nordafrikanischen Küste, während die Stadt von vandalischen Truppen belagert wurde. Dazwischen liegen 76 Jahre, die zu den folgenreichsten eines einzelnen Menschen in der Geschichte des westlichen Denkens gehören. Als Augustinus im Jahr 430 als Bischof von Hippo Regius starb, hinterließ er ein immenses literarisches Erbe von philosophischem Scharfsinn und theologischer Tiefe. Es umfasst 117 Werke, von denen manche mehr als zehn Bücher umfassen, 928 Predigten und 244 Briefe, insgesamt 5,5 Millionen Wörter.

Wer Augustinus nur als Heiligen oder Kirchenvater kennt, hat ihn noch nicht wirklich kennengelernt. Denn bevor er zu einer der prägendsten Gestalten des Christentums wurde, war er ein rastloser junger Mann, der zwischen Religionen, Frauen, Karriereplänen und philosophischen Systemen hin- und hertaumelte und dabei mit einer Ehrlichkeit über sich selbst schrieb, die in der antiken Welt ohne Gegenstück ist. Sein Leben ist ein Drama, und er selbst hat es so genannt.

Zwischen zwei Welten: Ein Kind aus Nordafrika

Augustinus' Herkunft war in sich schon ein Widerspruch. Sein Vater Patricius war Heide, ein kleinbürgerlicher Beamter ohne besondere religiöse Neigungen, dem es vor allem um den gesellschaftlichen Aufstieg seines begabten Sohnes ging. Seine Mutter Monika hingegen war glühende Christin, deren Einfluss auf Augustinus kaum zu überschätzen ist. Sie betete jahrzehntelang für seine Bekehrung, folgte ihm nach Mailand, als er dorthin zog, und weinte so viel um ihn, dass ein Bischof ihr gegenüber sagte, ein Kind so vieler Tränen könne nicht verloren gehen.

Augustinus wuchs also nicht in einem Haus auf, in dem Glaube und Weltlichkeit versöhnt waren, sondern in einem, in dem sie offen konkurrierten. Diese frühe Erfahrung eines Lebens zwischen Lagern, zwischen einer Mutter, die für seine Seele betete, und einem Vater, der für seine Karriere plante, zieht sich durch sein gesamtes späteres Denken. Er kannte das Zerrissensein nicht als Theorie. Er kannte es als Kindheitserfahrung. Und er war begabt genug, um die finanzielle Last seiner Ausbildung dem Vater und einem reichen Gönner namens Romanianus aufzubürden, der die Kosten für das Studium in Karthago übernahm.

Die Frau ohne Namen: Fünfzehn Jahre und ein verschwiegenes Leben

Als Augustinus mit etwa siebzehn Jahren nach Karthago zum Studium ging, begann er rasch eine Beziehung mit einer Frau, deren Namen er in seinen Schriften nie nennt. Augustinus ging früh eine Verbindung mit einer Frau unbekannten Namens ein, ohne dass er diese langjährige Verbindung durch eine Heirat offiziell legitimierte. Die Partnerschaft sollte 15 Jahre lang dauern. Seine Lebensgefährtin gebar ihnen einen gemeinsamen Sohn, der den Namen Adeodatus erhielt. Der Name bedeutet: „Der von Gott Gegebene." Es ist ein bemerkensam liebevoller Name für ein Kind, das außerhalb jeder damals gültigen gesellschaftlichen Norm geboren wurde.

Augustinus schrieb später, er habe diese Frau wirklich geliebt, doch die Verbindung sei keine Ehe gewesen, weil eine standesgemäße Heirat seinen gesellschaftlichen Plänen im Wege gestanden hätte. Als seine Mutter Monika ihm schließlich in Mailand eine standesgemäße Verlobte ausgesucht hatte, wurde die Frau ohne Namen weggeschickt, nach Nordafrika, fort aus seinem Leben. Augustinus schrieb, ihr Weggang habe sein Herz zerrissen. Trotzdem ließ er sie gehen. Ihr Sohn Adeodatus blieb bei ihm, starb aber kurz nach der gemeinsamen Rückkehr nach Afrika, noch keine zwanzig Jahre alt. Dieser doppelte Verlust hinterließ Spuren, die in seinen Schriften bis heute spürbar sind.

Manichäismus, Skepsis und eine jahrelange Suche

Bevor Augustinus zum Christentum fand, durchlief er eine intellektuelle Odyssee, die ihn durch mehrere Weltanschauungen führte, keine davon oberflächlich, alle davon ernsthaft geprüft. Nach der Lektüre von Ciceros „Hortensius" schloss er sich spontan dem Manichäismus an, der eine strenge Teilung der Welt in Gut und Böse lehrte und Augustinus als die tiefere und radikalere Form des Christentums erschien. Neun Jahre lang blieb er Anhänger dieser Lehre, die er schließlich aufgab, weil ihre Vertreter seine philosophischen Fragen nicht beantworten konnten.

Es folgten Jahre des Skeptizismus, in denen er grundsätzlich bezweifelte, ob der Mensch überhaupt zu sicherer Erkenntnis fähig sei. Dann, in Mailand, begegnete er dem Neuplatonismus und dem Bischof Ambrosius, dessen Predigten ihn auf eine Weise trafen, die er sich selbst nicht vollständig erklären konnte. Was Ambrosius ihm zeigte, war eine Möglichkeit, Glaube und Intellekt zu verbinden, statt sie gegeneinander auszuspielen. Für jemanden, der so lange zwischen diesen Polen gependelt war wie Augustinus, war das keine kleine Sache.

Dieser verschlungene Weg durch Irrtümer und Abwege war für Augustinus kein beschämender Umweg. Er wurde zur Grundlage seiner späteren Autorität. Gerade weil Augustinus so lange in die verschiedensten Verirrungen verstrickt war, fühlte er sich besonders berufen, stark motiviert und außerordentlich kompetent, anderen den Weg der Wahrheit zu weisen. Wer selbst in der Irre war, spricht anders über den Weg als jemand, der ihn nie verlassen hat.

Der Feigenbaum und die Kinderstimme: Die Bekehrung

Im Sommer 386, in einem Garten in Mailand, erlebte Augustinus den Moment, der sein Leben in ein Vorher und ein Nachher teilt. Er lag unter einem Feigenbaum, zerrissen zwischen dem Wunsch nach einem anderen Leben und der Unfähigkeit, den entscheidenden Schritt zu tun. Er hatte die Wahrheit des Christentums intellektuell längst akzeptiert. Was fehlte, war der Wille, sein bisheriges Leben aufzugeben, die Karriere, die Frauen, die gesellschaftliche Position.

In einem Moment tiefer innerer Zerrissenheit hörte er eine Kinderstimme: „Nimm und lies." Er ergriff die Bibel und stieß auf den Satz im Römerbrief: „Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Buhlereien und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an." Daraufhin gab Augustinus seinen Beruf auf, ließ sich taufen und kehrte nach Thagaste zurück. Er soll in diesem Augenblick eine Ruhe gespürt haben, die er bis dahin in keiner Philosophie und keiner Beziehung gefunden hatte. Das berühmteste Bekenntnis, das er später darüber schrieb, gehört zu den meistzitierten Sätzen der abendländischen Geistesgeschichte: dass das Herz des Menschen unruhig bleibt, bis es Ruhe findet in Gott.

Ostern 387 wurde er von Ambrosius getauft, gemeinsam mit seinem Sohn Adeodatus und seinem Freund Alypius. Kurz darauf starb seine Mutter Monika in Ostia, auf der Rückreise nach Afrika. Sie hatte das Ziel ihres Lebens erreicht und überlebte es nur um wenige Monate.

Die Confessiones: Das ehrlichste Buch der Antike

Um das Jahr 400, bereits Bischof in Hippo, schrieb Augustinus die Confessiones, auf Deutsch die Bekenntnisse. Es ist kein Buch, das man leicht in eine Schublade stecken kann. Es ist Teil Autobiografie, Teil Gebet, Teil philosophische Reflexion, und es gehört zu den Texten, die einen anders aussehen lassen als davor. Die „Confessiones" sind nicht nur das persönlichste Buch der Antike, sie können jedem Menschen das Dasein in seiner Verdunkelung, ja in seinen letzten Abgründen, wie auch in seinen Glücksmomenten und Verzückungen deuten. Mit diesem Buch betritt Augustinus als Psychologe seelische Bezirke, die vor ihm noch keiner betreten hat.

Was dieses Werk so einzigartig macht, ist die Art, wie Augustinus über sich selbst schreibt. Er beschönigt nichts. Er nennt seine Fehler beim Namen, seine Lüste, seinen Ehrgeiz, seine Feigheit gegenüber der eigenen Überzeugung. Er beschreibt, wie er als Jugendlicher mit Freunden Birnen von einem Baum stahl, nicht weil er hungrig war, sondern einfach aus Freude an der verbotenen Handlung, und er analysiert diesen winzigen Diebstahl mit einer moralpsychologischen Tiefe, die heute noch Philosophen beschäftigt. Augustinus erfand in gewissem Sinne die Innenperspektive als literarisches Mittel, Jahrhunderte bevor die Moderne sie für sich entdeckte.

Dabei ist das Buch keine Selbstanklage. Es ist ein Gespräch mit Gott, in dem Augustinus zurückblickt und erkennt, dass eine Kraft durch sein Leben wirkte, auch dort, wo er selbst nicht danach gesucht hatte. Diese Haltung macht die Confessiones zu etwas, das weit über religiöse Literatur hinausgeht: zu einem Dokument menschlicher Selbsterkenntnis, das in keiner anderen Epoche so entstanden wäre.

Bischof wider Willen: Dreißig Jahre im Dienst einer Stadt

Die Geschichte, wie Augustinus Bischof wurde, ist bezeichnend für den Mann. Er war nach seiner Rückkehr nach Nordafrika in Thagaste ein stilles, klösterliches Leben führen wollte, Lesen, Schreiben, Beten, Gespräche mit Freunden. Nur für einige Tage hatte er in Hippo Regius zu tun. Gerade an einem dieser Tage machte Valerius, der Bischof der Stadt, seine versammelte Gemeinde darauf aufmerksam, dass er bei seinem Alter nicht mehr imstande sei, alle Aufgaben seines Amtes zu erfüllen und darum dringend eines Priesters bedürfe. Die Gemeinde rief spontan Augustinus' Namen. Er, der das alles eigentlich nicht wollte, wurde unter Tränen zum Priester geweiht. Vier Jahre später wurde er Bischof.

Dieses Amt trug er dann über dreißig Jahre, bis zu seinem Tod. Er lebte auch als Bischof in einer klösterlichen Gemeinschaft, schlichtete Streitigkeiten, predigte fast täglich, führte theologische Auseinandersetzungen gegen Irrlehrer verschiedener Richtungen und schrieb dabei ohne Unterbrechung. Sein größtes theologisches Werk, „De Civitate Dei", der Gottesstaat, entstand nach der Plünderung Roms durch die Westgoten im Jahr 410 und versuchte zu erklären, warum das Fallen eines irdischen Reiches kein Versagen des christlichen Gottes bedeutet. Es ist ein Werk von dreiundzwanzig Büchern und einem der folgenreichsten politisch-theologischen Texte, die je geschrieben wurden.

Ein Denker zwischen zwei Zeiten

Augustinus lebte genau an der Nahtstelle zweier Welten. Die antike Welt, das Römische Reich, die griechisch-römische Philosophie und Kultur, befand sich im Untergang. Die mittelalterliche Welt des christlichen Abendlandes war noch nicht geformt. Augustinus war derjenige, der entscheidend dazu beitrug, was aus der einen Welt in die andere übertragen wurde und wie.

Er christianisierte den Neuplatonismus, also jene Philosophie, die hinter der sichtbaren Welt eine höhere, geistige Realität annimmt, und verband ihn mit dem christlichen Glauben zu einer Synthese, die das Denken des Mittelalters bestimmte. Augustinus' Philosophie enthält von Platon stammende, jedoch im christlichen Sinn modifizierte Elemente. Den christlichen Glauben sah er als Grundlage aller Erkenntnis an: „glaube, damit du erkennst." Dieser Grundsatz klingt für moderne Ohren zunächst seltsam, war aber für Augustinus keine Kapitulation des Verstandes vor dem Glauben, sondern die Erkenntnis, dass Erkenntnis selbst nie voraussetzungslos ist.

Besonders bemerkenswert ist dabei ein Gedanke, der oft übersehen wird: Augustinus nahm René Descartes' „cogito ergo sum" voraus, indem er die Unzweifelhaftigkeit der Existenz des Denkenden feststellte: „Mag einer auch sonst zweifeln, über was er will, über diese Zweifel selbst kann er nicht zweifeln." Descartes, der mehr als zwölfhundert Jahre später mit demselben Gedanken die neuzeitliche Philosophie begründete, hatte Augustinus gelesen. Der Gedankengang war nicht neu. Er war nur vergessen worden.

Warum Augustinus heute noch so unmittelbar wirkt

Es gibt Texte aus der Antike, die man mit historischem Abstand liest, als Dokumente einer fernen Zeit. Die Confessiones gehören nicht dazu. Wer sie aufschlägt, trifft auf einen Menschen, der mit Fragen ringt, die sich in zwölfhundert Jahren nicht wesentlich verändert haben: Warum tue ich das, was ich nicht tun will? Warum fällt mir das so schwer, wovon ich überzeugt bin, dass es richtig ist? Was will ich eigentlich, wenn ich alles habe, was ich glaubte zu wollen?

Diese Fragen hat Augustinus nicht gelöst. Er hat sie durchlebt und beschrieben, mit einer sprachlichen Kraft und psychologischen Präzision, die ihn von den meisten Denkern seiner Zeit und vieler nachfolgender Epochen abhebt. Der Mensch Augustinus, das Drama seines Lebens fasziniert den heutigen Menschen mehr als seine Lehre, nicht die äußeren Fakten geschichtlicher Zufälligkeit, sondern die Intensität des seelischen Erlebens. Das ist selten bei einem Philosophen und Theologen, deren Werke sonst eher durch die Strenge ihrer Argumente als durch die Wärme ihrer Persönlichkeit überleben.

Wenn Sie die Zitate auf dieser Seite lesen, begegnen Sie keinem fernen Heiligen hinter Kirchenfenstern. Sie begegnen einem Mann, der gelogen, gezweifelt, geliebt und verloren hat, der jahrelang das tat, wovon er wusste, dass es falsch war, und der dann mit einer Ehrlichkeit über all das schrieb, die bis heute beschämt und befreit zugleich. Das gibt seinen Worten ein Gewicht, das keine bloße Frömmelei erreicht: die Glaubwürdigkeit eines Menschen, der sich selbst kannte und trotzdem nicht schwieg.

Zitate von Augustinus von Hippo

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Kategorie: Zitate zum Thema Trauer und Tod

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Kategorie: Zitate Liebe

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Kategorie: Zitate zum Thema Motivation

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Kategorie: Zitate zum Thema Reisen

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