Albert Schweitzer Zitate
- Wer war Albert Schweitzer?
- Der Entschluss mit 21: Alles aufzugeben, was er hatte
- Theologe, Philosoph, Arzt und Musiker in einer Person
- Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben
- Lambarene: Wo Überzeugung auf Wirklichkeit trifft
- Ein unbequemer Heiliger: Kritik und Widerspruch
- Der Friedensnobelpreis und der Kampf gegen die Bombe
- Warum Schweitzers Worte heute mehr bedeuten als je zuvor
- Albert Schweitzer Zitate
Wer war Albert Schweitzer?
Albert Schweitzer wurde am 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Elsass geboren, in einer Region, die damals zum Deutschen Reich gehörte und heute zu Frankreich zählt. Sein Vater war evangelischer Pfarrer, sein Elternhaus geprägt von Bildung, Glauben und einer Offenheit für Fragen, die keine einfachen Antworten haben. Schon früh zeigte das Kind eine doppelte Begabung, die sich für den Rest seines langen Lebens nicht auflösen sollte: tiefe musikalische Empfindsamkeit auf der einen Seite, bohrendes theologisches und philosophisches Fragen auf der anderen.
Was Schweitzer von den meisten Denkern und Gelehrten seiner Zeit unterschied, war eine Eigenschaft, die sich in Biographien leicht überlesen lässt: Er hielt Überzeugungen, die er nicht lebte, für wertlos. Nicht als Maxime, die er nach außen trug, sondern als persönliche Grundhaltung, die er still und mit erheblichen persönlichen Kosten umsetzte. „Das Beispiel ist nicht das beste Mittel, andere zu überzeugen. Es ist das einzige." Diesen Grundsatz hat er nicht formuliert, um beeindruckend zu klingen. Er hat ihn gelebt, und das unterscheidet ihn von vielen anderen Denkern des 20. Jahrhunderts.
Der Entschluss mit 21: Alles aufzugeben, was er hatte
An Pfingsten 1896, im Alter von 21 Jahren, fasste Schweitzer einen Entschluss, der für sein Umfeld schlicht unverständlich war: Er würde bis zu seinem 30. Lebensjahr seinen Interessen als Gelehrter und Musiker nachgehen, und danach sein Leben in den unmittelbaren Dienst an Menschen stellen. Nicht als Prediger, nicht als Schriftsteller, sondern unmittelbar, mit den Händen, vor Ort.
Damals war er ein aufstrebender Theologiestudent in Straßburg, ein gefeierter Organist, ein junger Mann mit glänzenden Aussichten. Dass er diesen Entschluss tatsächlich umsetzte, wurde von Familie und Kollegen mit Kopfschütteln aufgenommen. Sein Entschluss passte nicht in die konservative Gesellschaft des Deutschen Kaiserreiches, in die er hineingeboren worden war. Aber er blieb dabei. Als er 1904 ein Heft der Pariser Missionsgesellschaft in die Hände bekam, in dem Helfer für Afrika gesucht wurden, stand für ihn sofort fest, wohin sein Weg führen würde. Er begann ein Medizinstudium, das er erst mit 38 Jahren abschloss, und brach 1913 gemeinsam mit seiner Frau Helene nach Lambarene auf.
Theologe, Philosoph, Arzt und Musiker in einer Person
Es gibt Menschen, die in einem Bereich außergewöhnliches leisten. Albert Schweitzer leistete es in vier. Er war Doktor der Philosophie und Doktor der Theologie, bevor er überhaupt ans Medizinstudium dachte. Als Theologe schrieb er ein Werk über das Leben Jesu, das die damalige Bibelwissenschaft bis in ihre Grundfesten erschütterte, weil er die historisch-kritische Methode konsequenter anwandte, als seine Kollegen es sich getraut hatten.
Parallel dazu galt er als einer der bedeutendsten Bach-Interpreten seiner Zeit. Er spielte europaweit Orgelkonzerte, schrieb eine umfangreiche Studie über Johann Sebastian Bach und war auch in Fragen des Orgelbaus ein anerkannter Experte. Diese Konzerte und Vortragsreisen waren für ihn später kein Selbstzweck, er nutzte die Einnahmen, um sein Krankenhaus in Afrika zu finanzieren. Das Orgelspiel wurde buchstäblich zur Lebensader eines Hospitals auf einem anderen Kontinent.
Wer fragt, wie ein Mensch so viele verschiedene Dinge so gut machen konnte, bekommt von Schweitzers Biografie eine unbequeme Antwort: durch schiere Disziplin und den konsequenten Verzicht auf Zerstreuung. Er schlief wenig, arbeitete viel und vermied, was er für Zeitverschwendung hielt. Das betraf auch gesellschaftliche Verpflichtungen, Repräsentationsaufgaben und alles, was er als Ablenkung vom Wesentlichen empfand.
Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben
Im September 1915 fuhr Schweitzer auf dem Fluss Ogooué in Gabun, auf dem Weg zu einer kranken Missionsfrau, durch die unberührte Landschaft des Urwalds. Auf diesem Boot, irgendwo zwischen Sonnenlicht und Stille, kam ihm der Gedanke, der zum Kern seiner gesamten Philosophie werden sollte: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
Diese Erkenntnis klingt zunächst einfach. Sie ist es nicht. Schweitzer zog daraus den Schluss, dass jede Ethik, die sich nur auf Menschen bezieht, unvollständig ist. Was er als Ehrfurcht vor dem Leben bezeichnete, sollte eine Synthese östlicher und westlicher Denksysteme sein: wohlwollend sein, durch Handeln in der Welt das Schicksal aller Wesen zu verbessern, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Das war 1915 eine radikale Idee, die weit über das hinausging, was westliche Philosophie damals unter Ethik verstand.
Dabei war Schweitzer kein weltfremder Idealist. Er wusste, dass das Leben ständig Situationen erzeugt, in denen Lebewesen gegeneinander abgewogen werden müssen. Ein Arzt, der kranke Menschen behandelt, tötet unter Umständen Bakterien. Ein Bauer, der Felder bestellt, vernichtet Unkraut. Schweitzer verlangte keine Perfektion, sondern Bewusstsein. Wer versteht, dass jede Form von Leben einen Wert hat, wird vorsichtiger, rücksichtsvoller und verantwortungsvoller handeln, ohne dabei handlungsunfähig zu werden.
Lambarene: Wo Überzeugung auf Wirklichkeit trifft
Das Krankenhaus, das Schweitzer 1913 in Lambarene aus dem Nichts aufbaute, begann in einem alten Hühnerhaus. Es gab keine Infrastruktur, kaum Medikamente und keine ausgebildeten Mitarbeiter vor Ort. Bereits 1914 wurde er von den französischen Kolonialbehörden unter Hausarrest gestellt, weil er und seine Frau als Deutsche in einer französischen Kolonie im Ersten Weltkrieg als feindliche Ausländer galten. Die Arbeit wurde unterbrochen, er wurde zeitweise interniert, und dennoch kehrte er zurück.
In diesen erzwungenen Ruhepausen schrieb er. Er arbeitete an seiner Kulturphilosophie, an theologischen Texten, an Briefen in alle Welt. Das Krankenhaus wurde im Laufe der Jahrzehnte zu einem ganzen Dorf mit mehreren Gebäuden, einem eigenen Friedhof und einem Betrieb, der Tausende von Patienten im Jahr behandelte. Das „Time Magazine" kürte ihn zum „Greatest Man in the World" , und zahlreiche Schulen und soziale Einrichtungen auf der ganzen Welt wurden nach ihm benannt.
Bis in sein 90. Lebensjahr arbeitete Schweitzer in Lambarene. Er starb dort am 4. September 1965 und wurde auf dem kleinen Friedhof neben dem Fluss Ogooué begraben, den er selbst hatte anlegen lassen. Er hatte Afrika nicht als Projekt betrachtet, nicht als Lebensphase, nicht als moralisches Experiment. Er war gegangen, um zu bleiben, und er blieb bis zum Ende.
Ein unbequemer Heiliger: Kritik und Widerspruch
Ein vollständiges Bild von Albert Schweitzer schließt auch die Kritik ein, die er zu Lebzeiten und posthum auf sich zog. Sein Umgang mit den Einheimischen in Lambarene wurde von britischen Journalisten, die ihn besuchten, als paternalistisch beschrieben. Er sah sich als Helfer und Vater einer Community, nicht als jemanden, der Gleichberechtigung im modernen Sinne praktizierte. Diese Haltung entsprach einem kolonialen Weltbild, das er nie vollständig hinter sich ließ, auch wenn er die Würde jedes Menschen betonte.
Philosophisch wurde seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben vorgeworfen, sie sei zu idealistisch und biete in praktischen Konfliktsituationen keine klaren Handlungsanleitungen. Theologisch stießen seine unkonventionellen Jesusinterpretationen auf Widerspruch. Und sein politisches Engagement gegen Atomwaffen wurde von manchen Zeitgenossen als naiv abgetan.
All das gehört zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit diesem Mann. Schweitzer war kein Heiliger ohne Widersprüche. Er war ein außergewöhnlicher Mensch mit blinden Flecken, ein Visionär, der manche Grenzen seiner Zeit nicht überwinden konnte, und ein Denker, dessen Kernideen dennoch von bemerkenswerter Kraft und Beständigkeit sind. Wer ihn nur verehrt, versteht ihn so wenig wie jemand, der ihn nur kritisiert.
Der Friedensnobelpreis und der Kampf gegen die Bombe
Der Friedensnobelpreis für das Jahr 1952 wurde Schweitzer erst 1954 in Oslo überreicht. In seiner Dankesrede sprach er nicht über sein Krankenhaus und nicht über seine Philosophie. Er sprach über den Krieg und über die atomare Bedrohung, die er als die größte Gefahr für die Menschheit seiner Zeit betrachtete. Das war für einen Nobelpreisträger in diesem Rahmen ungewöhnlich, direkt, beinahe unbequem.
Er blieb dabei. In den folgenden Jahren engagierte er sich öffentlich für atomare Abrüstung, schrieb Briefe an Staatsmänner, veröffentlichte Appelle und scheute den Streit nicht. Als das Versuchsstoppabkommen 1963 unterzeichnet wurde, beglückwünschte er Kennedy und Chruschtschow persönlich in einem Brief. Und protestierte im selben Jahr prompt gegen die weiterhin erlaubten unterirdischen Tests. Konsequenz war für ihn keine Tugend, die man gelegentlich übte. Sie war sein Grundprinzip.
Warum Schweitzers Worte heute mehr bedeuten als je zuvor
In einer Zeit, in der Klimakrise, Artensterben und politische Polarisierung die Schlagzeilen bestimmen, hat Schweitzers Gedanke der Ehrfurcht vor allem Leben eine neue, drängende Relevanz gewonnen. Die Frage, ob menschliches Handeln gegenüber anderen Lebewesen und gegenüber der Natur insgesamt moralisch zu rechtfertigen ist, ist heute keine Randnotiz mehr. Sie steht im Zentrum gesellschaftlicher Debatten, die Schweitzer vor über hundert Jahren auf einem Boot im afrikanischen Urwald vorgedacht hat.
Was seine Worte dabei von vielen anderen unterscheidet: Sie kamen nicht aus dem Kopf eines Gelehrten, der über das Leben nachdachte, ohne es vollständig zu riskieren. Schweitzer hat aufgegeben, was die meisten nie aufgeben würden, Sicherheit, Ansehen, Komfort, Karriere, um das zu tun, woran er glaubte. Wer das weiß, liest seine Sätze mit anderen Augen.
Wenn Sie die Zitate auf dieser Seite lesen, halten Sie kurz inne. Hinter jedem von ihnen steht ein Leben, das mit voller Absicht und vollem Einsatz geführt wurde. Nicht perfekt, nicht widerspruchsfrei, aber von einer Radikalität der Menschlichkeit, die in dieser Form selten ist und die genau deshalb bis heute berührt.
Zitate von Albert Schweitzer
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