Similia similibus curentur.

Kategorie: Lateinische Sprichwörter und Zitate

Similia similibus curentur.

Autor: unbekannt

Herkunft

Der Satz "Similia similibus curentur" ist kein klassisches Sprichwort der römischen Antike, sondern ein zentrales Axiom der Homöopathie, das auf deren Begründer Samuel Hahnemann zurückgeht. Hahnemann formulierte diesen Grundsatz erstmals ausführlich in seinem 1810 veröffentlichten Hauptwerk "Organon der Heilkunst". Der lateinische Ausdruck selbst ist eine Neuschöpfung, die das Prinzip "Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden" auf prägnante Weise zusammenfasst. Die eigentliche, vollständige lateinische Fassung des Prinzips findet sich in Hahnemanns Schriften.

Similia similibus curantur.

Es ist bemerkenswert, dass sich die heute geläufigere Form "curentur" (Konjunktiv Passiv: "mögen geheilt werden") gegenüber Hahnemanns ursprünglichem "curantur" (Indikativ: "heilen") durchgesetzt hat. Dieser subtile grammatikalische Wandel unterstreicht den appellativen und regelhaften Charakter des Leitsatzes.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich übersetzt bedeutet der Satz: "Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden." Im übertragenen Sinne beschreibt er die therapeutische Grundidee der Homöopathie. Demnach soll eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Krankheitssymptome hervorrufen kann, eben jene Symptome bei einem Kranken heilen. Ein klassisches Beispiel ist die Verwendung der Chinarinde, die Fieber erzeugen kann, um fiebrige Zustände zu behandeln.

Die dahinterstehende Lebens- oder vielmehr Heilregel ist die Annahme einer gezielten Anregung der Selbstheilungskräfte durch einen ähnlichen Reiz. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Gleichsetzung mit dem konträren Prinzip "Contraria contrariis curantur" (Gegensätzliches wird durch Gegensätzliches geheilt), das der konventionellen Medizin zugeschrieben wird. Während die Schulmedizin oft mit Antipyretika gegen Fieber vorgeht, sucht die Homöopathie nach einem Mittel, das in der Lage ist, ein ähnliches Fieberbild zu erzeugen.

Relevanz heute

Die Relevanz dieses lateinischen Ausdrucks ist heute nahezu ausschließlich an die Homöopathie gebunden. Er fungiert als deren knappes Motto und wird in entsprechenden Fachkreisen, von Herstellern homöopathischer Arzneimittel und in der alternativmedizinischen Literatur ständig verwendet. Im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch hat sich keine eigenständige Version etabliert. Der Satz wird, wenn überhaupt, in seiner lateinischen Form zitiert, meist im Kontext von Diskussionen über alternative Heilmethoden.

Die Brücke zur Gegenwart zeigt sich somit weniger in der Alltagssprache, sondern in der anhaltenden gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Debatte um die Homöopathie. Der Ausdruck "Similia similibus curentur" steht stellvertretend für eine ganze Weltanschauung in der Medizin und ist daher nach wie vor ein hochaktueller und gleichzeitig umstrittener Begriff.

Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check

Der Anspruch auf Allgemeingültigkeit, den das Prinzip erhebt, wird durch die moderne Naturwissenschaft und evidenzbasierte Medizin nicht bestätigt. Die Grundannahme, dass hochverdünnte Stoffe nach dem Ähnlichkeitsprinzip eine spezifische therapeutische Wirkung entfalten, widerspricht etablierten chemischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Wirkstoffe, die so stark verdünnt sind, dass kein einziges Molekül der Ursprungssubstanz mehr nachweisbar ist, können aus naturwissenschaftlicher Sicht keine pharmakologische Wirkung im klassischen Sinne ausüben.

Große Metastudien und systematische Übersichtsarbeiten kommen regelmäßig zu dem Schluss, dass die beobachteten Effekte homöopathischer Präparate über den Placebo-Effekt hinaus nicht nachweisbar sind. Der wissenschaftliche Check fällt daher eindeutig aus: Das Prinzip "Similia similibus curentur" wird als naturwissenschaftliche Heillehre widerlegt. Seine Wirkung wird im Bereich der psychosomatischen Medizin und der patientenzentrierten Gesprächsmedizin verortet, wo Ritual, Zuwendung und der Glaube an die Heilung eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen können.

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