Quamquam sub aqua sunt,sub aqua maledicere temptant

Kategorie: Lateinische Sprichwörter und Zitate

Quamquam sub aqua sunt,sub aqua maledicere temptant

Autor: unbekannt

Herkunft

Dieses amüsante Sprichwort stammt nicht aus der klassischen römischen Literatur, sondern aus den mittelalterlichen Fabeln, die unter dem Titel "Romulus" überliefert sind. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Tierfabeln in lateinischer Prosa, die auf den griechischen Fabeldichter Äsop zurückgehen. Der genaue Kontext ist die Fabel von den Fröschen, die einen neuen König fordern. Der Satz fällt, als die Frösche, unzufrieden mit einem von Jupiter gesandten Holzklotz, weiter protestieren und tadeln, obwohl sie sich bereits in großer Gefahr befinden. Die vollständige Passage lautet:

Ranae regem desiderabant. Misit eis Iuppiter regem, qui nihil agebat. Tunc ranae alterum regem petierunt. Misit eis ciconiam, quae ranas consumebat. Tunc illae sub aqua confugerunt et, quamquam sub aqua sunt, sub aqua maledicere temptant.

Die Fabel illustriert auf treffende Weise, wie törichtes und undankbares Verhalten selbst in ausweglosen Situationen fortgesetzt wird.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich übersetzt bedeutet der Satz: "Obwohl sie unter Wasser sind, versuchen sie unter Wasser zu schmähen." Das "sie" bezieht sich eindeutig auf die Frösche aus der Fabel. Im übertragenen Sinn kritisiert das Sprichwort Menschen, die trotz einer aussichtslosen oder gefährlichen Lage, in der sie eigentlich still sein sollten, nicht aufhören können, sich zu beschweren oder andere zu kritisieren. Die Lebensregel dahinter warnt vor Unbesonnenheit und Undankbarkeit. Ein typisches Missverständnis könnte sein, den Satz als Beschreibung einer physikalischen Unmöglichkeit zu lesen. Im Kern geht es jedoch um die psychologische und soziale Torheit, in der Unterlegenheit weiter zu provozieren und damit die eigene Situation noch zu verschlimmern.

Relevanz heute

Die Aussage des Sprichworts ist zeitlos und besitzt auch in der Gegenwart große Aktualität. Es findet oft Anwendung, um politischen oder gesellschaftlichen Widerstand zu charakterisieren, der aus dem Untergrund oder aus einer Position der Schwäche heraus weitergeführt wird. In Diskussionen kann man es humorvoll verwenden, wenn jemand trotz einer offensichtlichen Niederlage oder eines klaren Verbots nicht aufhört, seinen Unmut kundzutun. Eine direkte deutsche Entsprechung wie "Unter Wasser schimpfen" ist nicht geläufig, doch das Konzept lebt in Redewendungen wie "Sich in die Nesseln setzen" oder "Den Teufel an die Wand malen" weiter, die ebenfalls unkluges Verhalten in riskanten Situationen beschreiben. Die bildhafte Kraft des lateinischen Originals bleibt jedoch unübertroffen.

Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check

Aus biologischer Sicht ist die wörtliche Handlung für Frösche natürlich unmöglich, da sie unter Wasser keine artikulierte Sprache hervorbringen können. Der wissenschaftliche Check entlarvt die Szene also als rein fiktionales, literarisches Bild. Die übertragene Bedeutung hingegen hält einer psychologischen und soziologischen Prüfung stand. Studien zur Konfliktforschung und zur Eskalation von Auseinandersetzungen zeigen, dass Akteure in einer unterlegenen Position oft nicht rational kapitulieren, sondern zu symbolischem Widerstand oder verbalsprachlichen Attacken neigen, auch wenn dies ihre Lage objektiv verschlechtert. In diesem Sinne bestätigt die moderne Verhaltenswissenschaft die grundlegende menschliche Tendenz, die das Sprichwort anprangert: die oft kontraproduktive Weigerung, angesichts von Macht oder Gefahr einfach still zu sein.

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