In magnis et voluisse sat est.
Kategorie: Lateinische Sprichwörter und Zitate
In magnis et voluisse sat est.
Autor: unbekannt
Herkunft
Das Sprichwort "In magnis et voluisse sat est" stammt aus den "Elegien" des römischen Dichters Sextus Propertius, der im ersten Jahrhundert vor Christus wirkte. Es findet sich im siebten Buch seiner Gedichtsammlung, genauer in der zweiten Elegie. Der Kontext ist ein Liebesgedicht, in dem der Dichter seiner Geliebten Cynthia versichert, dass er keine monumentalen Heldentaten vollbringen muss, um seine Liebe zu beweisen. Die vollständige Passage lautet:
hanc me militiam fata subire volunt.
Natalis primo nostrum videre parentes,
cum cecidit fato consul uterque pari.
Quod si deficiant vires, audacia certe
laus erit: in magnis et voluisse sat est.
Die letzten beiden Zeilen enthalten den berühmten Ausspruch. Propertius schreibt sie in einer Zeit, in der die römische Literatur oft den idealen, tatkräftigen Helden feierte. Sein Werk stellt dem ein eher elegisches, auf persönliche Gefühle und Grenzen fokussiertes Lebensideal entgegen.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich übersetzt bedeutet der Satz: "Bei großen Dingen ist auch das Wollen genug." Die übertragene Bedeutung ist jedoch vielschichtiger. Es geht nicht um eine Entschuldigung für mangelnde Tatkraft, sondern um eine grundlegende Wertschätzung der Absicht und des Willens an sich. Das Sprichwort erkennt an, dass bei wahrhaft großen, ehrgeizigen oder schwierigen Vorhaben der bloße ernsthafte Wille, der Versuch oder das mutige Ansinnen bereits eine Leistung darstellt, selbst wenn das konkrete Ziel nicht vollständig erreicht wird.
Die dahinterstehende Lebensregel ist eine humanistische: Der Wert des Menschen liegt nicht ausschließlich im messbaren Erfolg, sondern auch in seiner Gesinnung und seinem Streben. Ein typisches Missverständnis ist, das Sprichwort als Freibrief für halbherzige Bemühungen oder als Trostpflaster für jedes Scheitern zu missdeuten. Der ursprüngliche Kontext bei Propertius zeigt jedoch, dass es sich um "magnis", also um wahrhaft große Dinge handelt. Der Wille muss dem Gegenstand angemessen, also ebenso groß und aufrichtig sein.
Relevanz heute
Das Sprichwort hat bis heute nichts von seiner Relevanz verloren. Es wird häufig in anspornenden Reden, in der Motivationspsychologie oder in der pädagogischen Arbeit zitiert, um den Druck des perfekten Ergebnisses zu nehmen und den Fokus auf den Prozess, den Mut zum Anfang und die Lernbereitschaft zu lenken. In Management-Seminaren dient es manchmal dazu, eine Kultur des Ausprobierens zu fördern, in der nicht jedes Scheitern bestraft wird.
Eine direkte deutsche Entsprechung wie "Der Wille zählt" oder "Es ist der Wille, der zählt" ist geläufig, wenn auch nicht so prägnant wie das lateinische Original. Die Brücke zur Gegenwart lässt sich besonders in Diskussionen über mentale Gesundheit und Leistungsdruck schlagen. In einer erfolgsfixierten Gesellschaft bietet das Sprichwort ein wichtiges Korrektiv, das den intrinsischen Wert von Anstrengung und Hingabe betont, unabhängig vom äußeren Ergebnis.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Aus wissenschaftlicher, insbesondere psychologischer Perspektive, findet das Sprichwort eine bemerkenswerte Bestätigung. Die Forschung zur Selbstwirksamkeit nach Albert Bandura zeigt, dass der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, also der Wille und die Überzeugung, etwas bewirken zu können, eine entscheidende Voraussetzung für tatsächliches Handeln und letztlich für Erfolg ist. Der "Wille" im Sinne einer starken Intention ist der erste und notwendige Schritt.
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse deuten zudem darauf hin, dass bereits die gedankliche Vorwegnahme und Planung einer Handlung (das "Wollen") neuronale Pfade bahnt, die die spätere Ausführung erleichtern. Allerdings widerlegt die moderne Psychologie auch eine zu einfache Lesart: Der bloße Wunsch ohne konkrete Planung und ohne folgende Handlungsschritte führt selten zum Ziel. Das Sprichwort behält somit seine Wahrheit als Aussage über den Ausgangspunkt und den ethischen Wert der Anstrengung, nicht jedoch als alleinige Erfolgsformel. Es beschreibt eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für große Taten.
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