Damit das Mögliche möglich wird, muss immer erst das …

Kategorie: Chinesische Weisheiten

Damit das Mögliche möglich wird, muss immer erst das Unmögliche versucht werden.

Autor: unbekannt

Herkunft

Die prägnante Lebensweisheit "Damit das Mögliche möglich wird, muss immer erst das Unmögliche versucht werden" wird häufig dem deutschen Schriftsteller Hermann Hesse zugeschrieben. Eine exakte Zuordnung zu einem bestimmten Werk wie "Der Steppenwolf" oder "Siddhartha" ist jedoch nicht eindeutig belegbar. Der Satz spiegelt dennoch perfekt den Geist von Hesses Denken wider, das stets die Überwindung von Grenzen und die Suche nach dem eigenen, oft verborgenen Potenzial in den Mittelpunkt stellte. Es handelt sich um eines jener Zitate, die im kollektiven Gedächtnis mit einem Autor verbunden sind, weil sie dessen philosophisches Kernanliegen auf den Punkt bringen, auch wenn der genaue Ursprung im umfangreichen Werk nicht mehr lückenlos nachzuverfolgen ist.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen erscheint der Satz paradox: Warum sollte man Zeit und Kraft für etwas aufwenden, das unmöglich ist? Die wahre Bedeutung liegt in der übertragenen, psychologischen und handlungsleitenden Ebene. Die Weisheit ist eine Aufforderung zum mutigen ersten Schritt und zur Neudefinition von Grenzen. Was wir im Vorhinein als "möglich" erachten, ist oft nur ein enges, von Angst und Konvention geprägtes Konstrukt. Indem wir uns an das scheinbar Unmögliche wagen, sprengen wir diese mentalen Fesseln. Wir sammeln unschätzbare Erfahrungen, entwickeln neue Fähigkeiten und verschieben unsere Grenzen so weit, dass das ursprünglich angestrebte Mögliche plötzlich innerhalb der Reichweite liegt – oder sogar von etwas Größerem übertroffen wird. Ein typisches Missverständnis wäre, die Aussage als Aufruf zu realitätsfernem Starrsinn oder Selbstzerstörung zu lesen. Es geht nicht darum, gegen Naturgesetze zu verstoßen, sondern darum, die selbstauferlegten Grenzen des Geistes zu überwinden. Die Lebensregel lautet: Der Weg zum Erreichbaren führt oft über die mutige Konfrontation mit dem, was für unerreichbar gehalten wird.

Relevanz heute

Diese Lebensweisheit ist heute relevanter denn je. In einer Welt, die von schnellen Lösungen, Effizienzdenken und der Angst vor dem Scheitern geprägt ist, wirkt sie als kraftvolles Gegenmittel. Sie findet Resonanz in modernen Konzepten wie "Disruptive Innovation", wo etablierte Märkte durch scheinbar unmögliche Ideen umgewälzt werden, oder in der persönlichen Entwicklung im Sinne des "Growth Mindset". In der Startup-Kultur, in der Kunst, in sozialen Bewegungen und sogar im persönlichen Karriereweg ist die Haltung, erst das Unmögliche zu versuchen, oft der eigentliche Schlüssel zum Durchbruch. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich auch in der psychologischen Erkenntnis, dass unsere Komfortzone der größte Feind der Entwicklung ist. Die Weisheit ermutigt uns, genau diese Zone bewusst zu verlassen.

Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check

Die Neurowissenschaft und die Psychologie bestätigen den Kern der Aussage indirekt. Unser Gehirn ist plastisch und passt sich neuen Herausforderungen an. Wenn wir uns konsequent hohe, aber nicht völlig absurde Ziele setzen – also das subjektiv "Unmögliche" anstreben –, bilden sich neue neuronale Verbindungen. Die Lernforschung zeigt, dass herausfordernde Aufgaben, an denen man scheitern kann, zu einem tieferen Verständnis und größeren langfristigen Kompetenzgewinnen führen als das stete Abarbeiten sicherer, leichter Aufgaben. Die Weisheit wird jedoch widerlegt, wenn man sie als absolut und kontextfrei betrachtet. In akuten Notsituationen, bei klar definierten physikalischen Limits oder unter strengen Ressourcenbedingungen kann das starre Verfolgen des Unmöglichen in die Katastrophe führen. Ihr Wahrheitsgehalt liegt also nicht in einer naturwissenschaftlichen, sondern in einer handlungs- und motivationspsychologischen Allgemeingültigkeit: Die Expansion des Möglichen ist stets das Ergebnis gewagter Versuche.

Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele

Diese Lebensweisheit eignet sich hervorragend für motivierende Anlässe. Sie passt in eine Rede zur Unternehmensstrategie, um Teams für innovative Wege zu begeistern, in eine Ansprache bei Projektbeginn oder in einen persönlichen Coachings-Kontext. Auch in einer Trauerrede kann sie tröstend wirken, wenn sie das Lebensmotto des Verstorbenen beschreibt, der stets über sich hinauswuchs. Zu salopp oder flapsig wäre sie in sehr formalen oder technischen Berichten, wo es um konkrete, risikobehaftete Daten geht. In natürlicher Sprache kann man sie so verwenden: "Wir haben uns immer gefragt, wie wir unsere Reichweite verdoppeln können. Vielleicht fragen wir uns falsch. Vielleicht müssen wir, im Sinne von Hermann Hesse, erst versuchen, sie zu verzehnfachen – denn oft wird das Mögliche erst möglich, wenn man den Mut hat, das Unmögliche ernsthaft in Betracht zu ziehen." Ein weiteres Beispiel aus dem Privatleben: "Bei der Jobsuche dachte ich nur an Positionen, von denen ich sicher war, dass ich sie kriegen kann. Dann habe ich mich auf meine Traumrolle beworben, völlig gegen jede vermeintliche Realität. Dieses 'unmögliche' Bewerbungsgespräch war die beste Übung – und am Ende habe ich tatsächlich eine andere, aber fantastische Stelle in genau diesem Unternehmen bekommen."

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